Die meisten kann man essen

Ich kann nicht meditieren. Geht überhaupt nicht. Die ganze Zeit sitze ich da und denke: Denkst du noch oder meditierst du schon. Ununterbrochen. Das geht an die Substanz. Ich habe mir eine Substitutionshandlung gesucht, denn vollkommen ohne seelische Balance kommst du ja nicht durch den Alltag. Ich schnippel. Vorzugsweise Gemüse. Das braucht die gleichen Rahmenbedingungen wie der Zen-Buddhismus: Unter Zeitdruck kann ich nicht schnippeln. Als Dr. Schmotzen noch viel kleiner war, ließ sie mich nicht für fünf Minuten aus den Augen. Da konnte ich nur sehr selten in Ruhe schnippeln. Beim Schnippeln öffnet sich mein inneres Fenster. Ich werde ganz leicht, alles schwebt. Im Meditationsbuch steht, ein Mantra helfe, den Geist zu beruhigen. Wenn ich Sellerie schnippel, denke ich oft: Sellerie. Bei Lauch funktioniert das auch. Am liebsten schnippel ich weiche Dinge. Zucchini. Oder Erdbeeren. Dann fließen die Bewegungen am besten. Und mit ihnen die Seele. Zum Ende der Schnippelei entstehen mitunter wunderbare Dinge. Die meisten kann man essen.

was ich will

Gott gab mir Fleiß. Er gab mir Hirnschmalz. Er gab mir die Rechtschreibung. Er gab mir einen Abschluss. Er gab mir Ehrgeiz. Er gab mir Dr. Schmotzen. Warum denn Dr. Schmotzen? Ich will arbeiten. Ich will klotzen. Ich will Überstunden. Ich will Amphetamine. Ich will Geld. Ich will es mir verdienen. So viel, dass alles für Steuern drauf geht. Ich will nach oben. Ich will ein Leben am geistigen Limit. Wie soll ich ein Leben am geistigen Limit führen mit einem knapp zwei Jahre alten Kind? Und dann die Amphetamine? Was soll ich mit denen? Mein Leben mit Dr. Schmotzen ist ausgeglichen und beschaulich, es fühlt sich gut an, es könnte immer so sein. Gib mir noch ein Kind und noch eins und dann, wenn möglich, noch eins. Ich will Gemüse pflanzen und Socken stricken und Kastanienmännchen basteln. Ist nicht bald Weihnachten? Lass mich Christbaumkugeln nähen. Und eine Pute. Ich will schmierige Kinderpatscher von den Fensterscheiben wischen und Milchzähne putzen. Ich will diesen Frieden. Geistiges Limit? Literatur! Philosophie! Die VHS! Beleg einen Abendkurs. Ich will ein Büro. Ich will einen Chef. Ich will die Freiheit meiner Generation ohne ihren Druck.

Septembermäßig

Ganz kalt draußen, mit nem blauen Himmel drüber. Da essen wir auf der Stelle Flammkuchen. Und gehen Kühe gucken. Die dampfen. Und dann ziehen wir die dicksten Socken an. Und holen die Daunendecken raus.