lpa

Ich hab lpa. Lipoprotein a. Und zwar erhöht. Doppelt so viel wie normal nötig ungefähr. Ich weiß das jetzt und das ist gut. Ich würde sagen, mein Vater ist daran gestorben. Vielleicht wäre es anders gekommen.

Das Lipoprotein a gehört zu den Fett-Eiweiß-Verbindungen im Blut und liefert wie alle Lipoproteine Cholesterin an, das sich dann in den Gefäßen festsetzt. Das kleine a aber hat noch eine weitere Eigenschaft: Es bindet sich an Blutgerinnsel, die vorübergehend an Gefäßinnenwänden sitzen, und sorgt so dafür, dass sie mehr Raum einnehmen. Dass sie mehr Raum wegnehmen. Blutgerinnsel an Gefäßinnenwänden bildet der Körper temporär, um geschädigte Stellen in Blutbahnen zu verschließen. Eigentlich gut.

Wenn jetzt also so ein Blutgerinnsel als Reparaturmaßnahme gebildet wurde, kommen meine viel zu vielen Lipoproteine a und hängen sich dran. Die wilde Horde bleibt da einfach kleben und freut sich, dass sie einen netten Platz zum Verweilen gefunden hat. Alle machen mit, alle werfen sich auf den Haufen drauf, eigentlich wie beim Fußball, wenn irgendsoein Fußballtrottel ein Tor geschossen hat und alle rasten aus und machen einen Menschenberg. Meine ganzen Lipoproteine a bilden also ratzfatz einen großen Freudeklumpen und der verschließt die Blutbahn und das führt dann relativ zeitnah zu einem kardiovaskulären Fiasko, zu einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt. Es ist völlig asozial.

Die Menge an Lipoprotein a pro Mensch ist genetisch definiert. Sie verändert sich in einem Leben nicht großartig. Ist der Wert einmal ermittelt, weiß man eigentlich Bescheid. Erhöhte Werte kann man nicht senken. Die Leber geht einfach unaufhaltsam in die ihr göttlich eingeflüsterte Produktionsleistung der Baueinheit Lipoprotein a. So lange keine koronare Herzkrankheit auftritt, so lange die Gefäße in tipptoppem Zustand sind, so lange es also keinen Anlass für Blutgerinnsel gibt, die den Lipoproteinen a bestes Airbnb-Preisleistungsverhältnis bieten, ist alles in Ordnung.

Also. Ich kann die Höhe des Lipoprotein a nicht beeinflussen. Ich weiß aber, dass es sich um so eine Art Schläferzellen handelt, die dann aktiv werden, wenn ihre Umwelt ihnen Gelegenheit bietet. Muss ich also auf die Umwelt einwirken und dafür sorgen, dass sie so blutgerinnselfrei ist wie möglich. Mehr Äpfel als Pommes essen, Sport machen, wenig Stress, sowas.

Ich finde es gut, dass meine Ärztin Lipoprotein a kennt. Da wissen nicht so viele drüber Bescheid. Die Krankenkasse zahlt den Test nicht. Jetzt hab ich die Info und kann mit ihr arbeiten.

Wie schade, dass es bei ihm anders war.