Alle Artikel des Monats: Mai 2013

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Tölpel

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Ein Freund meines Bruders hat einen Kurzfilm gemacht, der ziemlich schön illustriert ist und beweist, dass Angler friedliebende Gesellen sind:

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Mut und Tapferkeit in Krankheit und beim Arzt

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Dr. Schmotzen erholt sich von einer Infektion.
Was mein zur Stunde mütterlich übermäßig weiches Herz berührt: Das Kind zeigt auch diesmal wieder große Tapferkeit und Langmut bei jeder Phase der Krankheit.
Ein krankes Kind verjüngt sich. Dr. Schmotzen wird in Fieber, Husten und Dämmrigkeit wieder klein. Sie kann nicht allein trinken, muss getragen werden und braucht uns ganz bei sich. In den Tagen, als die Temperatur in kurzer Zeit rasant stieg und wir sehen konnten, wie sie Dr. Schmotzen minütlich veränderte, haben das Kind und ich unsere allererste Verbindung wiederaufgenommen. Da war sie alles für mich und ich alles für sie.
Dr. Schmotzen ist ruhig und still, wenn sie krank ist. Aber mir scheint, als sei sie nicht allein das Gegenteil von laut und lamentierend, was ja einfach eine andere Form der Problemverarbeitung wäre, sondern wüsste, dass sie duldsam und sich ergebend am besten aus der Sache rauskommt, die sie da gerade überrollt, und wüsste, dass nach Kranksein Gesundung folgt. Und dass zwei Ampullen Blut manchmal einfach von der Ärztin benötigt werden und darum abgezapft werden müssen, auch, wenn die Vene von der Nadel wegtanzt und viele Anläufe nötig sind, so ist das eben, mal hat man Glück, mal hat man Pech. Ich sehe meine kleine, weise Tochter an.
Die Zeit nach der größten Schlappheit, also dann, wenn das Kind sich wieder berappelt, eigenständig wird und seine volle Größe beansprucht, fühlt sich merkwürdig an. Wir heben unsere Enge auf, unsere Körper trennen wieder Meter und Zimmerwände, unsere schlafenden Köpfe liegen auf eigenen Kissen. Dr. Schmotzen nimmt ihren Raum wieder ein und das ist gut und gleichzeitig ziept ein wenig die Stelle, an der sie ihre Haut von meiner löst.

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Petersilie schneiden

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Sonntags morgens nach dem Frühstück sind wir zu Dir in die Trabantenstadt gefahren. Einer von acht Schlüsseln zu Deiner Wohnung gehörte uns und so brauchten wir nicht zu klingeln.
Im Hausflur roch es nach modriger Würze und wir haben Herrn Weiss, der in Geheimsprache Herr Sahne hieß und der in Wahrheit schon über hundertfünfzig Jahre alt war, wie alle anderen Deiner Nachbarn auch, nur kurz hallo gesagt und sind dann direkt zu Dir gegangen. Du saßest in der Küche und hieltest ein Kräuterwiegemesser, mit dem Du krause Petersilie geschnitten hast. Zur Begrüßung haben wir Dir nacheinander die Hand gegeben, auch Dein Sohn. Du hast uns Deinen kleinen gebeugten Handrücken hingehalten, den wir dann schüttelten, weil Du nasse Hände hättest und wir wussten, eigentlich wegen der Gicht.
Wir haben Licht im Flur gemacht mit Kippschaltern, die wie Zigarettenstummel aus der Wand ragten. In jedem Zimmer schauten wir nach dem Rechten und dann sind wir zum Spielplatz gegangen.
Als wir hungrig waren, kehrten wir zurück und aßen Kartoffelbrei und Petersilie mit Erbsen und Möhren aus der Dose und irgendein paniertes Fleisch. Wenn die Teller zu warm waren, hieltest Du sie aus dem Fenster. Manchmal kam draußen jemand Bekanntes vorbei und dann habt ihr geredet und nach der Verabschiedung war das Essen nie zu heiß. Öfter fanden wir ein Haar im Brei, das ließen wir dann am Tellerrand liegen und schauten auf Deinen fast kahlen Kopf. Ich ging ins Balkonzimmer und holte den Pudding. Ich habe nie wieder so einen Pudding gegessen. Ich wüsste auch nicht, wie man ihn kocht. Du hast uns eine Apfelsine ausgepresst und mit heißem Wasser gestreckt. Ich habe nie wieder heißes Wasser mit Orangengeschmack getrunken und wüsste auch nicht, wozu.
Du hast viel geredet und Dein Sohn hat viel zugehört und Dir Zeit gegeben, während er die Gonguhr aufzog.
Wir haben einen Marsch aus der Musikbox gespielt, gemalt, ferngesehen, uns vor der Toilette gegruselt und sind auf den Kamin geklettert.
Ganz am Ende bist Du zuerst aus der Tür gegangen und nach Dir Dein Sohn und darüber bin ich heute sehr froh.

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Rotkohlsalat

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Rotkohl kannst Du auch roh essen. Einfach ne Scheibe abschneiden und futtern. Oder einen Salat daraus machen:

Du brauchst:
__300g Rotkohl
__eine kleine Zwiebel
__einen Apfel
__eine Handvoll Walnüsse
Eine Küchenmaschine mit oder ohne Elektrikschnittstelle hilft Dir, alles in minifuzzikleine Teile zu schneiden. Du hast nur ein Messer? Ja, es ist viel Arbeit. Ja, eine Sehnenscheidenentzündung ist nicht ausgeschlossen. Ja, möglicherweise verschleißen dabei ein bis drei Klingen. Ja, auf dem Weg zum Rohkostschnipselhaufen könnte Dir Kontemplation begegnen.
Wichtigstes ethisches Gesetz beim Zerkleinern: Wegen der Gerechtigkeit sollten Form und Größe gleichmäßig verteilt sein.

Du vermischst:
__einen EL Balsamico
__einen EL Olivenöl
__einen TL Senf
__einen TL Salz
__einen TL Rohrzucker
__einen EL Preiselbeeren,

gibst alles zum Gehäckselten und beginnst zu essen.

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Mit Affe im Garten

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Wenn ich im Garten sitze, denke ich manchmal, ein großer, auf passiv-aggressive Weise gewaltbereiter Silberrücken stehe direkt hinter mir. Ich weiß dann nicht, was zu tun wäre. Er ist sehr stark und schneller als ich. Unsere Wohnung hat viele Türen nach draußen, im Sommer stehen sie alle offen. Selbst wenn ich es schaffte, vor ihm ins Haus zu gelangen und den Eingang zwischen ihm und mir zu verriegeln, würde er ein paar Meter nach links oder rechts gehen, er könnte sich sogar Zeit lassen, er würde reinkommen. Gorillas sind ja nicht blöde. Und das Kind wäre dann noch im Sandkasten oder auf der Schaukel oder hätte Angst, das müsste ich ja erst noch abholen mit einem Schlenker und dabei den Affen zwischen die ganzen Türen und mich bringen. Das wäre schon schlimm. Und selbst wenn ich das Kind und mich ins Haus geholt, die Rollläden runtergelassen, das Klavier vors Fenster geschoben und die Förstern gerufen hätte, der Gorilla würde seinen Weg zu uns finden.
So unwahrscheinlich ist es auch nicht, dass uns ein Affe angreift. Wir wohnen ziemlich nah an einer Art Zoo mit integrierter Kirmes. Ende der Achtziger ist dort ein kleiner Pavian ausgebrochen und in den Wald gelaufen. Im Wald waren meine Eltern und ich auf ihrem geheimen Guerilla-Tennisplatz und hatten Kuchen dabei. Der Affe kam, öffnete die Kuchendose, aß, kletterte auf einen baumhohen Zaun, urinierte zu uns hinunter und verschwand. Mein Vater freute sich, er mochte Tiere.
So etwas kann wieder passieren, der Tennisplatz ist jetzt zubetoniert und dann landet das Zootier bei uns, solche Dinge geschehen.
Ich habe mal geträumt, Türdrücken gegen einen Bären zu verlieren. Er wollte rein, ich wollte das nicht. Bei unseren lockeren Türklingen hätte ich sofort keine Chance. Sogar ein Pinguin würde gewinnen.
Das Leben auf dem Land stresst mich mitunter sehr. Andererseits, was gibt es anregenderes, als in der Sonne zu sitzen mit einem spielenden Affen hinter sich.