Alle Artikel des Monats: September 2015

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Zwei Überraschungen

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Konkurrenz belebt das Geschäft, gilt vermutlich auch unter Geschwistern. War bei uns heute jedenfalls so, kaum konnte die eine was neues, wollte die andere auch. Nachdem das große Kind uns beim Mittagessen mit ersten Leseversuchen beeindruckte und von der Kapitelüberschrift ihres Buches die Wörter ODER und RABE und von der Wasserflasche das Wort MINERALWASSER (Dr. Schmotzen hat sich vorerst auf Versalien spezialisiert) zunächst in die einzelnen Laute aufteilte und sie dann zusammenfügte, zog das kleine Kind nachmittags dann ebenfalls in Sachen Entwicklungsschritt nach und drehte sich vom Bauch auf den Rücken, immer wieder und wieder. Ich mag ja die unbesorgte Art von Babys, Dinge einfach mal zu machen. Einfach mal den schweren Kopf als Gewicht nehmen, pendeln, pendeln und sich schließlich soweit zur Seite lehnen, mit dem gegenüberliegenden Arm abgestützt, bis er den übrigen Körper mitreißt und sich dann im Mitreißen aber doch erschrecken und die Hände Halt suchend von sich strecken, entsetzt schauen, sich dann auf dem Rücken angekommen sicher fühlen und im Triumph vor Stolz fast platzen und sich des puren Lebens freuen. Ein zweisekündiges Drama, fünfmal hintereinander. Danach erschöpft einschlafen.

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Die Jüngste von uns vieren

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ist mittlerweile sechs Wochen alt und hat damit die dümmste Zeit überstanden, wie meine Großmutter die ersten anderthalb Monate nannte. Die hatte sieben Kinder und tausend Enkel und kannte sich in dem Geschäft aus.
In der Tat haben wir uns mittlerweile eng angefreundet und eingeruckelt. Es läuft. Jeder Tag ist anders und planbar ist natürlich nix, aber grundsätzlich kommen wir gut durch. Zwei nicht verhandelbare Strukturen prallen aufeinander: Dr. Schmotzens staatlich verordneter Schulalltag, in dem sie der Schulbus pünktlich um zwanzig vor acht an der Haltestelle abholt und mittags gegen zwölf oder eins dort wieder ausspuckt und des Babys sich selbst steuernder Säuglingsrhythmus, der Gesetzen folgt, die eh niemand versteht. Solange ich duschen und einigermaßen ruhevoll einen Milchkaffee trinken kann, füg ich mich gern zwischen den beiden ein. Mittlerweile vertraut und gut lebbar fühlt sich das alles an.
Das Kind hat ein durchaus sonniges Gemüt, wenn es nicht grad mit den üblichen Babyproblemen beschäftigt ist, es also hungrig ist, müde oder sich langweilt, grinst es sich durch den Tag und fängt langsam an, vogelmäßig zu zwitschern. Es pflegt eine innige Beziehung zu knisternden Taschentuchpäckchen und einem gehäkelten Reh mit Glocke im Magen. Es besteht darauf, für ein Schläfchen ordentlich gebettet zu werden, das Sofa scheint ihm nicht der richtige Ort zu sein. Da ist also Anspruch an Gemütlichkeitszustände zu erkennen, find ich gut.
Es liebt sehr die Trage, die Freunde uns geliehen haben. Sie ist hier im Dauereinsatz, der Kinderwagen steht im Keller rum und wird nicht beachtet. Gut, dass wir nur dreißig Euro für ihn bezahlt haben. Mit dem Tragetuch muss ich noch ein wenig üben, das sitzt noch nicht so richtig tuffig, aber ich habe die Vermutung, wenn ich den Dreh erst raus hab, ist dort drin die ultimative Gemütlichkeitsstufe erreicht.
Schöne Tage habe ich gerade mit meinen Töchtern.

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ich

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Processed with VSCOcam with t1 presetDas erste Wort, das dem Kind gelehrt wurde, ist ich. Die Lehrerin verteilte es laminiert auf Pappe an jeden Schüler. Seither trägt Dr. Schmotzen es in ihrer Federmappe. Bei Spaziergängen schreibt sie es gern mal auf geeignete Waldböden. Wenn wir vorlesen, entdeckt sie es in fast jedem Satz: eigentlich, Eiche, dich, nicht, vielleicht, Strich, wichtig, fröhlich. Frisch fast.
Ein Wort zu beherrschen, weil man es laminiert mit sich herumträgt, war das Konzept, das Dr. Schmotzen dem Schreibenlernen zugrunde legte. Sie ging davon aus, dass die Lehrerin nun nach und nach jedes einzelne Wort der Welt auf Pappe laminieren und es den Schülern zum Auswendiglernen überreichen würde.

Processed with VSCOcam with b1 presetWir haben dann unverbindlich einen Blick auf die Anlauttabelle geworfen und da wurde ihr klar, dass es sich mit Sprache wie mit Lego verhält. Irgendwie passen die allermeisten Laute zusammen und je nach Bedarf ergeben sie mal ein großes und mal ein kleines Bauwerk. Jedenfalls gehts um die Kombination kleinster Einheiten. Und dann ist nach kurzer Zeit ein Einkaufszettel entstanden und das Laminiergerät wendet sich beruhigt wieder dem normalen Tagesgeschäft zu.