Alle Artikel des Monats: Juli 2013

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Lagerverkauf

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Wir waren auf einer Art Trödel und kauften ein:


Teller mit Goldrand. Einzelstück für mehr Individualität im Geschirrschrank.


Tablett mit Rostrand. Stellt man auf den Tisch als Ablagefläche für Kleingebäck und Radiergummis. Unverzichtbar also.


Becher in Emailleromantik. Erinnert mich an meine Zeit als Hochseekapitän, habe damals darin besten kubanischen Kautabak entsorgt.


Das Kind besitzt seit Erdankunft die Merkmalsausprägung, sich ausgiebig und grundkonzentriert mit Dingen zu beschäftigen. Einwickelpapier waren das heutige Objekt des Interesses. Dr. Schmotzen im Umgang mit der Bröselei ist ein sehr schöner Anblick.

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Geburtstagsgutheit

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Schönen Tag gehabt und das war so:


Morgens einen Blumenstrauß von Monsieur LeGimspi und Dr. Schmotzen bekommen. Haben mich trickreich in die Außerhäusigkeit abgelenkt und sind dann zum See gegangen, dort wachsen die schönsten Blumen. Das Kind hat meine Rückkehr am Gartentor überwacht und schrie ihrem Komplizen zu »sie is da!«, sehr freudiges Gefühl im Großraum Herz.


Kontemplation und Sinnsuche beim Freundschaftsbandknüpfen im Schatten gefunden. Seit gestern neues Muster in Produktion, zweifarbig, mit Rand. Benötige dringend weitere Abnehmer, werden hier sonst alle den Knotentod sterben.


Einreichungen betrachtet. So schöne Dinge hab ich bekommen, sehen wir vom Tankgutschein mal ab. Eine herzförmige Erdbeere. Vielen Dank, ihr gutartigen Schenker!


Gegessen! Käse mit Salaten, Hummus und Brot. Gorgonzola ist eine ekelhafte Angelegenheit.


Regen. Muss halt.


Zwölfmilliarden Jungfrösche pro Quadratmeter. Und ich bin maximal auf eine Handvoll draufgetreten. Das fällt noch unter natürliche Selektion, stimmts Herr Darwin?


Gemeinschaftszigarrerauchen und sie nach nichtmal der Hälfte in der Pfütze auslöschen. Manche Dinge funktionieren im Kopf besser.


Monsieur LeGimpsis Verliererblase am linken kleinen Finger ein wenig vergrößern. Ich will Eiter sehen, Mister!

Das war ein schöner Tag. Ich habe Gnade gewünscht bekommen, darüber muss ich nachdenken.
Alles andere war leicht und frei und fröhlich. Vielen Dank, liebe Leicht-, Frei- und Fröhlichmacher meines Lebens, ich mag euch sehr!

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Im Spargelwald

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Was passiert, wenn Spargel treibt, wie er will:

Wunderbarer grüner Spargel, könnten wir meinen. Exklusives Nahrungsmittel direkt vor der Haustür, zur freien Verfügung. Stimmt aber nicht. Denn der Bauer kippt einen Ozean voll Gülle übers Feld, einen Wimpernschlag nachdem der letzte Spargelmann, wie Dr. Schmotzen die Stecher mit großer Sympathie nennt, seinen saisonalen Arbeitsplatz verlassen hat. Allein die Bienen stören sich nicht dran, die machen Spargelhonig.

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So Tage, an denen ich denke, die einzige Lösung ist, nen Buchladen aufzumachen. Ohne Angestellte, nur ich und die Bücher und wenns blöd läuft noch Kundschaft.

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Am Freitag

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Heute ist Freitag, Freitag ist mein freier Tag. Ich brachte Dr. Schmotzen in den Kindergarten. Vorher haben wir getrödelt. Ich habe ihr nicht ein Mal gesagt, dass sie sich beeilen soll, weil wir es eilig haben, wie ich es Montag bis Donnerstag zwischen sieben und zwanzig nach sieben tue. Wir zogen uns total langsam an und sind dann weit unter erlaubter Höchstgeschwindigkeit zum Kindergarten gegondelt. Die Tür war schon verschlossen. Wir mussten klingeln, alle anderen Kinder hatten das Frühstück hinter sich, Dr. Schmotzen setzte sich zum Erzieher und seiner Kaffeetasse an den Tisch und packte das Freitagscroissant aus. Es besteht aus Vollkörnern und hat schon mir als Kind geschmeckt. Ein Freund von uns sagte, ein Croissant hat den Nährwert von zehn Brötchen. Das Kind speiste in seinem Beisein einmal drei Croissants. Auf sie zeigend, wie auf die Dame mit Bart: »Die hat grad dreißig Brötchen gegessen!« Jedes Mal, wenn ich daran denke, muss ich lachen. Die Vorstellung, dass eine Zweijährige dreißig Brötchen isst, löst große Heiterkeit aus.
Ich fuhr in die Stadt und setzte mich in ein Café. Ich kenne ein Café, in dem frühstücke ich allein, ohne dass ich mich wie ein einsamer Mensch auf einem Kreuzfahrtschiff fühle. Ich bin sehr gern allein, nur eben nicht in der Öffentlichkeit, außer halt in diesem Café. Wenn ich dort vor den großen Fenstern sitze und noch nicht bestellt habe, also alles Leckere noch vor mir liegt, fühlt es sich an, als würde ich mich von meinem ganzen inneren Verwaltungsapparat erholen und vom Rest.
Irgendwann reichts und ich stehe auf und gehe durch die Stadt. Ich kaufe Blumen auf dem Markt und einen Holzring, denn ich gehe bald auf ein Fest, das nach speziellem Kleidungsstil verlangt. Genau darum habe ich auch das Freundschaftsbandknotgewerbe wieder aufgenommen. Das lag brach, seit ich zwölf war. Dr. Schmotzen ist Großkunde und freut sich über ein Überangebot an Verknüpfungen. Alle ihre Gliedmaßen sind nun wolleumhüllt.
Damals importierte eine Freundin die Technik aus einem Ferienlager an der Ostsee, von dem ich nach zwei Tagen abgeholt wurde. Hätte ich länger durchgehalten, ich hätte nach ihrer Rückkehr nicht mit meiner Schultstulle das Geheimnis der Knotenkunst erkaufen müssen.