Zurück auf null vier


Meine Schule hat Geburtstag.
Sie wird fünfzig Jahr alt. Alle Schüler sind eingeladen. Da laufen viele alte Menschen rum und verteilen sich um Tische, auf denen Pappkarten mit Jahrgangszahlen aus der zweiten Hälfte der letzten Jahrhunderts stehen. Auf einem Tisch auch null vier, ich stelle mich kurz davor und keiner ist da, dann gehe ich weiter.
Eine Tafel in der Eingangshalle zeigt Absolventen, die es ins gesellschaftliche Bewusstsein geschafft haben. Von fünfzig Jahrgängen sind das sieben Stück, zwei davon aus meiner Stufe: drei Fußballer, ein Politiker, ein Professor, eine Frauenromanautorin, eine Tatortkommissarin.
Ich treffe meine Deutschlehrerin, wegen der ich das studiert habe, was ich studiert habe. Und als wir uns begrüßen, stellt sie mir gleich die Frage, deren Antwort sie mir am letzten Schultag gab und ich denke, wird es solche Lehrer geben, wenn Dr. Schmotzen sie braucht?
Ich habe mich auf meinen Platz in der fünf c gesetzt, auf dem ich Bauschmerzen hatte und Angst und zurück zu meinem Grundschulrolf wollte, bei dem wir immer malen durften, auch in Mathe, egal wann. Und dann bin ich weitergegangen und habe Jan gesehen aus zwei Klassen über mir, den ich von der Siebten bis zu Elften gut fand, der hatte immer Weltschmerz. Dicker ist er geworden und die Locken haben sich verdünnt. Er sieht aus, als hätte er mehrere Versicherungen und eine private Altersvorsorge. Ich saß auf der Bank vorm Oberstufenbrett und das hing da nicht mehr, dafür war das Gefühl wieder da, bald fertig zu sein und irgendwie keinen großen Knall zu erwarten bloß etwas Neues.
Mit manchen habe ich meinHausundmeinAutoundmeinJahresbruttoeinkommen-gespielt und mit der letzten Karte, mit Dr. Schmotzen und Monsieur LeGimpsi, gewonnen, mit manchen habe ich nicht geredet, manche haben nicht mit mir geredet, mit manchen habe ich ganz normal geredet.

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