Das Weihnachtsprotokoll

Wie feierst Du denn Weihnachten? Wie lautet Dein Protokoll? Und wie sehr definiert es Deine Vorstellung der Heiligen Nacht?
Monsieur LeGimpsi und ich stecken in zähen Verhandlungen. Dr. Schmotzen ist mittlerweile alt genug, dass sie die große Party am Ende des Jahres durchaus zu würdigen versteht und nun in das feierliche Brimborium eingeweiht werden soll. Da ist es uns Eltern sehr wichtig, der nächsten Generation die individuellen Traditionen angedeihen zu lassen. Was sonst ist der Sinn des Fortbestands? Monsieur LeGimpsi legt seinen Argumentationsschwerpunkt primär auf unsere atheistische Grundeinstellung, ich hingegen schöpfe aus träumerisch-andächtigen Kindheitserinnerungen.
Wir streiten beispielsweise über Bezeichnung und Gestalt der geschenkbringenden Instanz. Ich hänge am Christkind, das sein güldnes Haar büschelweise am Weihnachtsbaum verliert und eine Spur aus Goldstaub an der Stelle hinterlässt, an der es den Raum betritt (also rund um das Schlüsselloch, denn dort schlüpft es ja nun mal durch). Monsieur LeGimpsi berichtigt Christuskind und verweist auf die Anzahl Kirchenbesuche unserer gemeinsamen drei Jahre (0). Er präferiert den Weihnachtsmann und beauftragt mit ihm und dem Nikolaus eine Männermannschaft mit der Geschenkelogistik. In Anbetracht der geringen Anzahl männlicher Bezugspersonen in Kindergarten und Grundschule vielleicht schlau überlegt, aber in unserem persönlichen Fall nicht überzeugend. Dr. Schmotzen wächst in einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis auf.
Ich fürchte zudem, Monsieur LeGimpsi wird seinem Kind eine Weihnachtsgeschichte erzählen, in der der Coca-Cola-Monstertruck über die Felder brettert und überzuckerte kapitalistische Geschenke verteilt.
Desweiteren greift er in einer ausladend patriarchalischen Geste nach dem Privileg des Glöckchens und dem damit verbundenen Startschuss für die Bescherung. Also bitte! Wer hat die ganze Arbeit an diesem Tag? Wer fällt den Baum? Wer schmückt ihn? Wer schiebt die Pommes Frites in den Backofen (zumindest in der Heilig Abendlichen Kulinarik sind wir uns einig)? Wer packt das Geschenk ein? Wer drapiert es hübsch unter den Zweigen? Das mach ja wohl alles ich. Da möchte ich dann auch bimmeln. Außerdem werde ja natürlich nicht ich das tun sondern das Christkind.

8 Replies to “Das Weihnachtsprotokoll”

  1. Du fällst einen Baum?????????????????????????? Das würde ich gerne sehen! Kannst du ein Video davon hochladen?

    Antworten

  2. Naja, im übertragenen Sinn. Ich kauf ihn halt und transportier ihn. Jedenfalls bin ich die Weihnachtsbaumbeauftragte bei uns und sollte unbedingt das Glöckchenprivileg bekommen.

    Antworten

  3. Interessant!
    Das stärkt meine Position jetzt nicht, was?

    Antworten

  4. hmm… meintest du vor geraumer zeit nicht, dass ich (wenn ich schon nicht partyonkel werde) den nikolaus geben dürfte? habe mich insgeheim das ganze jahr über auf diese rolle vorbereitet und bereits mein diesbezüglich verfasstes “manifest der bescheidenheit” auswendig gelernt. und jetzt?

    Antworten

  5. Jaa, Nikolaus ist ja nicht am 24.12., nech.
    Das Manifest der Bescheidenheit kannst Du gern halten.
    Und Partyonkel bist Du in jedem Fall.

    Antworten

  6. […] Als Erziehungsberechtigte übernehmen wir die Auswahl der Gaben und schieben sie rechtzeitig dem Christkind/Weihnachtsmann […]

    Antworten

  7. […] ja, das Weihnachtsprotokoll! Nun ja, der Baum wurde arbeitsteilig beschafft, auf ungleich Aufgabenverteilung am Heiligen Abend […]

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.