Gerade lese ich

ein Buch, für das ich wahrscheinlich meinen akademischen Grad abgesprochen bekäme, erführe jemand davon. Ich hatte halt Lust drauf.
Lege ich sonst durchaus Wert auf sprachliche Dichte, freue ich mich an einem hohen Grad an Literarizität, geht mir Sprache vor Handlung, ist es bei diesem Autor nebensächlich.
Ich kenne ihn aus literaturwissenschaftsfernen Zeiten. Ich mag, wie er auf über tausend Seiten Welten erschafft und Geschichten so lange verwebt, bis alles Nahrhafte aus ihnen rausgeflossen ist. Die Charaktere bleiben verlässlich stereotyp, schlimmer noch, die äußere Erscheinung spiegelt ihr Wesen wider. Der Allerböseste, Sadistischste, Hinterhältigste wird immer mit einem kalten Funkeln in den Augen geboren. Der Held ist immer fleißig, tugendhaft und für seine Zeit erstaunlich emanzipiert. Die Heldin hat immer eine außergewöhnlich schöne weibliche Brust.
Trotzdem. Ich lese hier anders. Ich nehme hier Teil. Mein kritisch-analytischer Blick bleibt so konsequent ungespeist, dass er sich resigniert davonschleicht. Das ist entspannend, darauf hatte ich mich gefreut.
Nach den ersten 60 Seiten bin ich enttäuscht. Die Übersetzung schludert. Das Buch wurde rasch in den deutschen Markt gedrückt, der Marketingplan ließ es zeitgleich in allen Ländern erscheinen. Das hat der ersten Auflage deutlich geschadet. Neben nervenden Flüchtigkeitsfehlern ist die sprachlich Umsetzung nicht sorgfältig genug gelungen. Der Übersetzer vermurkst den Transfer von literarischer Bedeutung. Das Buch holpert, scheint lediglich aus vier unterschiedlichen Verben zu bestehen, es verwehrt einem schlicht den Zutritt zum entspannten Lesen.
Dr. Schmotzen gefällts. Sie nutzt den dicken Schinken als Sprungbrett.

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