Ohne einen

Heute vor zwei Jahren haben wir fünf aufgehört. Einer ist gegangen, so schnell, da kamen wir nicht hinterher. Da gab es nichts mehr zu begleiten oder verabschieden, einer war einfach weg.
Wir bleiben. Am Anfang blieben wir jeden Tag aufs neue. Wenn ich morgens aufwachte und der Vorhang fiel, kam das Überreden, zu bleiben. Weitermachen ohne einen ist gar nicht so einfach, wenn die Alternative heißt, bis ans Ende der Tage auf einem Stuhl zu sitzen und sich zu weigern.
Wenn einer geht, nimmt er mehr mit als sich selbst. Familie ist mehr als die Summe ihrer Teile. Kann es einen schöneren Gedanken geben, als den, dass das letzte, was Du mir gesagt hast, eine Wegbeschreibung war?
Ich höre bald auf zu nichtakzeptieren, wie die Dinge damals waren. Wie kleine Rädchen sich in einander verhakten und Fahrt aufnahmen. Es nutzt ja nichts, es lindert ja nichts. Ich lasse den dreizehnten Juni frei. Es soll wieder ein Tag werden, an dem alles geschehen kann, sogar Kinder können geboren werden.
Manchmal denke ich an die Worte, die nicht durch meine Stimmritzen geflossen sind. Aber nur weil sie es nicht taten, bedeutet es ja nicht, dass Du sie nicht gehört hast.
Es lohnt sich, häufiger mal auf Dachgiebel zu schauen. Immer mal wieder wartet dort jemand.

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