Wie die Notizen über eine rostige Blechdose mich dialektisch beinahe zu einer Vollgermanin gemacht hätten.

Die Ästhetik von What Katie Ate hat mir ein aufgeschlossenes Herz für Emaille und altem Blech beschert. Für angelaufenes Besteck, grobgewebtes Leinen, aufgeplatzten Vorkriegslack.
Wahrscheinlich reihe ich mich damit ein in die prenzlauerbergische Lust aufs Land. Gebe mich dem urbanen Projektionsdrang hin, lasse mir diese inszenierte Authentizität dort wachsen, wo das Leben doch bestimmt gesünder ist. Wo die Hände arbeiten und nicht der Kopf. Wo alles nach frischer Erde riecht. Wo der Lohn für Fleiß in hochkursiger Zufriedenheitswährung ausgezahlt wird. Wo Biosiegel tautologischer Unsinn sind. Im Auenland vielleicht. Oder in der Rhetorik der 1930er. Führer war alles besser. Huch, so weit nach rechts hinten wollte ich doch gar nicht.
Aber ach, ich lebe in aufregend fortschreitenden Zeiten, in multikomplexen Zusammenhängen, ich betreibe Bausparen mit dynamischem Zins und gehöre mindestens einundzwanzig Zielgruppen an. Eine erhöhte Lebenserwartung ist ein guter Preis.
Jedenfalls. Heute hat mein verbeultem Blech aufgeschlossenes Herz eine Kaufentscheidung getätigt. In einem Antiquitätenladen für Geschirr, Kommoden, Goebbels Tagebüchern, Gießkannen und Staub. Mit einem gebeugten, hustenden Verkäufer und seinen zwölf Haaren, knarzenden Dielen, niedrigen Decken, fragwürdigen Treppen, Falltüren, dunklen Ecken und unzähligen Irrgängen.
Und als ich spinnenwebengewickelt ins Freie trat, eine hübsche Blechdose tragend, überrascht, dass ich nicht in eine Truhe gesperrt wurde, um nachts einer traurigen Katzenfrau vorzulesen, dachte ich, das würde ich doch gern notieren. Und das habe ich jetzt getan.

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