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Ding Dong

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Wir wohnen jetzt direkt neben einer optisch richtig schönen Kirche und ziemlich nah an einer optisch okayen Kirche. Im Grunde bimmelt es ohne Unterlass. Zu jeder Viertelstunde, zu jeder vollen Stunde, zu jedem Meeting im Terminkalender des Pfarrers oder zwischendurch auch einfach mal so, why not. Am liebsten mag ich die Bimmelei um neunzehn Uhr. Dann sind beide Kirchen zweistimmig und ich sitze auf dem Balkon und höre zu, wie die letzten Schläge immer leiser und mit größeren Pausen ausklingen.

So einen Familienumzug selbst zu organisieren, kann man machen. Kräfte- und nervenmäßig ist das möglich und nicht besonders schädlich, wenn drei Kriterien erfüllt sind:
Die Kinder müssen betreut werden, die kann man dabei absolut nicht gebrauchen. Dr. Schmotzen hat jeden Gegenstand minutenlang in seiner Existenz gewürdigt, bevor sie ihn in den Karton legte, und Spartacus ist hinter ihr hergegangen und hat alles wieder ausgepackt. Beides nicht besonders effizient und auf jeden Fall fürs echte Umzugsgame disqualifizierend. Wir haben sie in den Tagen vorher und nachher einbezogen, als der Stress nicht so groß war. Aber während des eigentlichen Umzugs befanden sie sich außerhalb des Geschehens und wäre das nicht der Fall gewesen, säßen wir vermutlich immer noch im Chaos.
Und dann sind Helfer wichtig. Einer muss das Sagen haben und die anderen schleppen einfach nur. Beim Umzug hat Demokratie nichts zu suchen. Da braucht man einen Autokraten, einen, der die Richtung kennt. Dann spart man sich die Zeit fürs Rumlamentieren, welche Tetrismethode die Umzugswagenladefläche am besten nutzt. Wir nehmen einfach die, die einer definiert und schon stellt sich ein Flow ein und man ist unglaublich produktiv und alle haben das erlösende Gefühl, dass es gut vorangeht und genau darauf kommt es beim Umzug an. Da helfen Leute dein Zeug rumzutragen und die sollen es so schmerzfrei wie möglich haben.
Darum braucht man viele, viele abertausende Kisten. Dann kann man sie schön leicht befüllen und niemand verletzt sich den Rücken oder erleidet körperliche Überanstrengung. Wenn du nicht viel Geld für professionelle Umzugsfachleute ausgeben willst, gib wenigstens ein bisschen Geld für genügend Kisten aus, damit deine Amateurhelfer es maximal angenehm haben. Und womöglich helfen sie dir dann irgendwann auch nochmal.
Bei uns waren alle drei Kriterien erfüllt und darum war das ein ziemlich machbarer Umzug. Wir danken der Kinderbetreuung, den Helfern und den Kisten.

Jetzt ist alles ein wenig anders, aber alles schön. Spartacus zum Beispiel hat nun ein eigenes Zimmer und da haben wir Dr. Schmotzens altes Bett aufgebaut und wer hätte das gedacht, aber Spartacus schläft tatsächlich in diesem Bett ein und wechselt erst irgendwann nachts zu uns. Wir hatten auch schon so einige Nächte, in denen sie einfach bis morgens gegen sechs, halb sieben durchschlief. Ich gehe nun also in ein leeres Bett und kann dort liegen, wie ich möchte, das Licht einschalten und in normaler Lautstärke vor mich hinleben. Ich kann mich beim Einschlafen einrollen wie ein Igel und habe deutlich seltener Kinderfüße im Gesicht. Es ist mir jeden Abend eine große Freude und bald schon wird sich dieser Zustand wieder ganz normal anfühlen.
Wir gewöhnen uns langsam an das Leben in der Stadt. Wir hängen viel auf Spielplätzen ab, fahren mit der Bahn, gehen bei schönem Wetter in den Park und haben ständig die Wahl zwischen vier Bäckereien, zwei Eisdielen und vielen anderen Einkaufsläden, Apotheken, Zahnärzten und einer guten Buchhandlung im Umkreis von dreihundert Metern. Wir wohnen in einem Gemeindehaus, die oberen Stockwerke sind vermietet. Jetzt gerade probt unter uns ein Chor, gestern war Englischkurs, samstags ist offenes Frühstück. Gerade scheint Konfirmationssaison zu sein, Horden Vierzehnjähriger spielen auf der Straße nicht kompetitiv Federball und machen gruppendynamische Übungen. Wenn wir aus dem Fenster schauen, sehen wir Häuser, Menschen und Gedöns. Manche Gesichter sind bereits mit festen Zeiten verbunden, da kreuzen sich regelmäßig Bahnen. Das geht jetzt alles seinen Weg.

Unsere Wohnung liegt im ersten Stock eines barrierefreien Hauses und bislang haben wir noch nicht ein Mal die Treppe genommen, die Kinder kämen gar nicht auf die Idee. Spartacus‘ Leben mit Fahrstuhl ist um mehrere hundert Prozent besser als ohne. Sie weiß genau, was zu tun ist. Sie drückt den Knopf außen, der ihn holt, Dr. Schmotzen ist für innen zuständig, für das richtige Stockwerk und dass sich die Türen extra schnell schließen. Sobald der Fahrstuhl losruckelt, setzen sich beide hin und warten die Fahrt ins Erdgeschoss in angemessen gemütlicher Position ab.
Doch, ist ganz schön hier für uns alle.

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