Heute vor zwei Jahren

haben Monsieur LeGimpsi und ich sehr gespannt gewartet. Mein hyperemesis gravidarischer Zustand dauerte mit diesem Tag genau neun Monate und sollte sich endlich selbst abschaffen. Ein ganzer Sommer lang war der 28. Oktober die Grenze zum neuen Leben. Alles würde sich an diesem Tag ändern: Von da an, sollte Dr. Schmotzen bei uns wohnen.
Nun gestaltete sich der 28. Oktober 2008 als sehr gewöhnlich. Keine hektischen Taxirufe in der Nacht, keine Fruchtwasserverluste bei Karstadt, kein Notkaiserschnitt im Treppenhaus: Wir waren keine Eltern.
An diesem Tag, abends, gingen Monsieur LeGimpsi und ich in den Park. Ich sprang von Bordsteinkanten und Mauern, lief vom einen Ende zum andern, bückte mich nach jeder Kastanie und erklomm später mehrmals den dritten Stock. Dann spazierte ich in die Stadt und investierte in Wolle. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich allein nach Hause ging, die kalte Luft um mich herum, Dr. Schmotzen in mir drin.
24 Stunden später dachte ich daran zurück und wusste, damals war das ein ganz anderer Mensch.
Am nächsten Morgen um fünf fing an, was der schlimmste und schönste Tag meines Leben werden sollte.

2 Replies to “Heute vor zwei Jahren”

  1. Der schlimmste Tag? Wer hat mir nochmal erzählt, die Geburt sei so eine wunderbare, intensive, ganz großartige, charakterstärkende, vergnügungsparkmäßige Erfahrung…? Und wer hat wiederholt darauf hingewiesen, dass das ganze Spektakel auch seine unangenehmen Seiten hat, wurde aber mit seinen Einwänden nicht gehört? Hilf mir doch bitte auf die Sprünge, liebe Mutti!

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  2. Na, ist es ja auch.
    Nur, manchmal zwickt es halt ein wenig, ähnlich wir beim Fingernägelschneiden.

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