Der illustrierte Tag XV


Der Tag beginnt mit einem außerhäusigen Frühstück in professionellem Milieu. Der Kellner macht auf sich aufmerksam, als er statt eines bestellten Croissants für Dr. Schmotzen einen Toast Costa bringt. Drei Olivensandwiches und einen Haufen Salat in der Mitte. Das Kind blickt ihn entgeistert an und fragt, wo der Plunderteiganteil sei. Der Kellner sieht seinen Fehler ein und schenkt uns das ausgewogene Mahl. In der Zwischenzeit sind alle Croissants an umliegende Gäste vergeben. Ich bekomme doppeltes Frühstück, Dr. Schmotzen keins.


Wir betreten Boden anarchischer, kolonialisierter und floraliebender Menschen. Kleingartensiedlungen sind wunderbar. Campingplätze grausen mich, sobald Holz- oder Steinhäuser im Spiel sind, finde ich urlaubskonnotative Zweitwohnsitze gut.


Direkt neben der Laube wohnen Wölfe. Vielleicht habe ich diesen Sommer Lust auf einen Nervenzusammenbruch. Ich werden zuerst ins Kino gehen und dann im Kleingarten zelten. Das wird abgefahren.


Ich war wieder eine Waldarbeiterin. Im Waldboden drin habe ich einen Topf im Bauernmalereistyle gefunden. Der war voll mit verschimmeltem Schmodder, da hab ich ihn natürlich mitgenommen. Vielleicht pflanz ich was rein oder schmeiß ihn weg. Zur Not schenk ich ihn Dr. Schmotzen, die braucht sowas immer.
Bei der diesmaligen Waldarbeit gab es nur einen Motorsägenführer. Der hat gerade seine Lizenz bekommen und legte großen Wert auf die Einhaltung der Waldarbeiterhierarchie. Er hat mir direkt verboten, in letzter Sekunde vor umfallenden Bäumen wegzuspringen und dabei den Luftzug der zischenden Zweige im Gesicht zu spüren. Ich musste mich immer mindestens dreihundert Meter entfernt von der laufenden Säge aufhalten und durfte dem erlegten Holz erst dann näherkommen, wenn er militärisch »Maschinentätigkeit aus!« rief. Der trug einen Helm mit Visier und Sicherheitsschuhe.


Irre seit Tagen in Replay von Benjamin Stein umher, kann mich nicht orientieren. Wenn Du an einem schmalen hundertsiebzig-Seiten Buch einen ganzen April lang liest, ist es wahrscheinlich, dass Du handlungsmäßig nicht so viel mitbekommst. Frage mich, ob es an Replay liegt, dass ich so lange dafür brauche oder an meinem Zeitmanagement. Entscheide mich für ersteres.


Sonntagabendliches Reinigungsritual des Kindes. Erst Baden mit Haarewaschen, dann Kämmen, Maniküre und Pediküre bei einer Folge Siebenstein.


Pizzaparty mit Monsieur LeGimpsi und Dr. Schmotzen.

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