Krank mit Kind

Am Freitagabend ging ich ins Bett und war auf der Stelle krank. Eine massive Betonschicht lag auf mir mit Kerntemperatur von minus achtzehn bis zweiundvierzig Grad. Links in meinem Kopf befanden sich zwei Saiten, die irgendjemand alle paar Sekunden überspannte und wieder freiließ.
Am Samstagmorgen fand Dr. Schmotzen ihre kranke Mutter eine halbe Minute lang interessant anzuschauen, dann war auch das Mitgefühl aufgebraucht und sie wollte frühstücken.
Wie schaffen alleinerziehende Menschen es, krank zu sein? Wie halten sie bei dreitägiger Bettlägrigkeit ihr Kind ernährt, sauber, unterhalten?
Dr. Schmotzen verbrachte zwei Nächte im Bett ihrer Oma und veranstaltete Schlafparties mit ihrer Tante, Monsieur LeGimpsi und sie räumten sehr gründlich ihr Zimmer auf, wir schauten viele Tierdokus, der Osterhase kam zwischendurch vorbei, jetzt bin ich wieder gesund.
Es war das erste Mal in Dr. Schmotzens Leben, dass ich in meiner Hauptfunktion für sie ausfiel.
Vor meiner Zeit mit Kind gondelte ich in aller Gemütlichkeit in Richtung Wohlbefinden, jetzt muss ich prozessoptimiert gesunden, grundkapitalistisch irgendwie. Das gefällt meinem reformpädagogischen Gemüt gar nicht.
Das Gute an Feiertagssiechtum ist das antizyklische Konsumverhalten: Ich fahre jetzt in den Einkaufsladen und investiere in den Osterschokoladenschlussverkauf.

One Reply to “Krank mit Kind”

  1. Gut dass es Dir wieder besser geht!
    Ich bin eigentlich nie länger richtig krank als eine Nacht. Trotzdem fürchte ich mich sehr davor, dass es mich mal schlimmer erwischt. Ich kann den Lütten zwar tagsüber in einer vom Arbeitgeber meines Mannes zur Verfügung gestellten Einrichtung abgeben (nicht dass der Ernährer womöglich z.H. bleibt um an meiner Statt das Kind zu hüten), aber irgendwie habe ich so einen Verdacht, dass das keine Lösung ist. Wie alleinerziehen funktioniert ist mir ohnehin schleierhaft. Vermutlich jenseits der Grenzen der Selbstaufgabe.
    Grüße und frohes Schokoladenfuttern
    Nike

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