Auferstanden

Gestern waren Monsieur LeGimpsi und ich im Konzert, in Gustav Mahlers zweiter Sinfonie. Weil dabei Sopran- und Alt-Solistinnen sowie ein Chor mitmischen, spreche ich lieber von einer Sinfoniekantate, bevor die grauen Herren aus ihren Klassikforen herauskriechen und meinen Server hacken.
Gegen Monsieur LeGimpsis Rat, das Stück vorher mindestens zwei Mal in abgedunkeltem Raum, mit geschlossenen Augen und der inkorporierten Partitur andächtig zu hören, habe ich lieber Martini getrunken und Kuchen gebacken. Ich kam also ohne Hausaufgaben dafür alkoholisiert und überzuckert im Konzertsaal an. Ich sage Dir, das sind genau die allerbesten Voraussetzungen, die Auferstehungssinfonie zu rezipieren. Das geht rein, da willst Du weinen und tanzen und sprengen und sterben und auferstehen.
Mahler gilt als Wegbereiter der Moderne und so war er um Special Effects nicht verlegen: Im vierten Satz verließen einige Bläser und Perkussionisten den Konzertraum, um Backstage durch Lüftungsschlitze eine verfremdete Tonqualität zu erzeugen. Die Streicher indes haben auffällig häufig gezupft oder ihre Bögen als Drumsticks verwendet.
Monsieur LeGimpsi merkte natürlich sofort, an welchen Stellen gepatzt wurde und davon hat dann er eine Liste angefertigt und anschließend im Auto Belehrungen gehalten. Doch da standen wir schon auf einem Parkplatz und aßen Cheeseburger. So will es die Balance, erst Hochkultur, dann Fastfood.

2 Replies to “Auferstanden”

  1. Ich verzichte weitestgehend auf Hochkultur, lasse dafür aber in der Regel auch das Fastfood weg. Und es funktioniert – ich bin mit mir im Reinen!

    Antworten

  2. Ja, wer beide Waagschalen in Ruhe lässt, gefährdet nicht die Balance.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.