Bei Trost

Ich hab jetzt einen Ordner auf meinem Handy eingerichtet, da lege ich Screenshots von Texten rein, die mindestens einer Ecke in mir gut tun und ich nenne ihn mental health. Mental health ist „be soft and kind but take no shit“. Mental health ist „is it cool if i misinterpret this through a distorted lens of anxiety“. Mental health ist „the bees. they know everything. be a person. be a person again“. Die Ecken in mir sind überall woanders, aber es sind im letzten Jahr viele geworden. Die Pandemie und einige andere Umstände haben diese dünne Haut verändert, die uns umgibt und die uns bei Laune hält, bei Verstand, die uns ermöglicht, vor die Tür zu gehen, ins Flugzeug zu steigen, uns ins Auto zu setzen, ins Konzert mittenrein zu gehen, keine Ahnung vielleicht auch einfach mit Skiern einen Hügel runter zu fahren, all die Sachen zu tun, die Menschen machen, weil sie sie erfunden und sich zu eigen gemacht haben, weil sie sie ausreichend gut beherrschen. Weil unser Hirn normalerweise ausblendet, wie verletzlich wir gebaut sind mit unseren ganzen Eingeweiden direkt unter der Bauchdecke und so. Weil das Gefühl getragen zu sein uns begleitet und davor schützt, zu viel Schutz aufzubauen, zumindest war es bei mir so und vielleicht ist das allein schon ein großes Glück gewesen, ein Privileg, das nicht selbstverständlich ist. Es ist mir ein wenig abhanden gekommen, die dünne Haut ist bei mir stellenweise durchsichtig geworden, glaub ich. Jedenfalls hätte ich manchmal gern einen Bunker. Und da würd ich dann mein Leben drin verwalten. Und dabei durchschnittlich alt werden und unterdurchschnittlich oft existenziell herausgefordert zu sein. Und das allein ist schon mal der dümmste Wunsch ever und er bringt mich direkt zu Gott herself, Denn Gott fände es vermutlich richtig mies von mir, mich einzubunkern und quasi die Schöpfung in Marmeladengläser zu füllen, nur damit bloß nichts passiert. Nur damit niemand vor der Zeit stirbt. Fuck off, das geht so nicht. Raus mit dir und du kannst eh nicht tiefer fallen als in meine Hand, würde sie sagen. Aber ich glaub halt nicht an Gott und das war bislang kein Problem für mich, aber nun merke ich langsam, dass es mich doch schon an den Rand von irgendwas bringt. Dass ich ein spirituelles Gesamtkonzept als Orientierungspunkt am Horizont jetzt vielleicht doch ganz gut gebrauchen könnte. Thea Dorn hat beim Alles gesagt-Podcast gesagt, dass es eigentlich nur rational und logisch ist, genau jetzt in dieser Pandemie als Antwort auf diesen ganzen globalen Abfuck gläubig zu werden. Dass Glauben den Trost spendet, der uns hilft, die Erkenntnis zu überwinden, dass Kontrolle eine Illusion ist.
Gut, also wollen wir’s auch mal nicht übertreiben. Ich kuratiere mir jetzt offensichtlich meinen eigenen Sprüche-Wandkalender in meinem Handyordner, das ist nicht nichts.
Mental health ist „everything you want is on the other side of fear“. Mental health ist „there is a crack in everything and that‘s how the light gets in“. Mental health ist „learn to sit back and observe. not everything deserves a reaction“.

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