Zweite Herbstferienwoche

Letzte Woche hatte ich Urlaub, das war sehr gut verbrachte Zeit. Monsieur LeGimpsi fuhr zur Arbeit, die kleine Tochter war zwei Nächte bei der Oma, die große vormittags beim Theaterworkshop: Ich hatte viel Zeit für mich und für meine Verhältnisse war ich ziemlich rege.
Also erstmal bin ich viel Straßenbahn gefahren. Vor Corona war das mein tägliches Hauptverkehrsmittel, seit ich zu Hause arbeite, sitze ich nur noch selten in diesem komischen Blechwurm, der sich durch die Stadt schlängelt. Diese Woche war ich andauernd mit der Bahn unterwegs und wie neuerdings immer, wenn geschlossene Räume, Leute und ich aufeinandertreffen, fühle ich mich nicht besonders wohl, irgendwie unterschwellig bedroht. Hm.

Ich hatte zum ersten Mal eine professionelle Zahnreinigung. Also ich achte in meinem restlichen Leben voll auf maximal gründliches Amateurinnenputzen, darum war diese Behandlung auf meiner Prioliste immer sehr weit unten. Stellt sich raus: Das ist ja ungefähr das beste, was man machen kann! Hätte ich das vorher gewusst. Meine Zähne sind so super zahnsteinfrei und blankpoliert jetzt, das gibts gar nicht. Ich habe sogar eine winzige Lücke zwischen meinen unteren Schneidezähnen rausgefräst bekommen. Das Mundgefühl ist völlig neu.

Und dann hatte ich noch zwei schöne Spaziergänge mit Freundinnen. Meine Erhebung der Gesprächsthemen zeigt: 100 Prozent der Frauen, mit denen ich gesprochen habe, sind ebenso wie ich in beruflich nervig-anstrengender Lage. Vielleicht ist es ein Lebensabschnittsthema, vielleicht ist die zweite Hälfte der Dreißiger einfach arbeitsmäßig kacke.

Ich schaue viel Emma Chamberlain im Moment. Ich mag die evolving-Videos alle echt gern. Die haben editing-mäßig ein wenig was von Casey Neistat. Es wirkt, als führe Emma ein komplett isoliertes, abgeschnittenes Leben quasi vom Bett aus. Aber selbst wenn sie sich durch öffentlichen Raum bewegt, kommt es mir vor, als sei sie der einzige Mensch auf dem Planeten. Schlimm ist hingegen, dass sie quasi ununterbrochen ungewaschene Blaubeeren isst.
Jedenfalls trinkt Emma ungefähr tausend Iced Latte am Tag und darum hab ich das auch mal probiert und ich muss sagen: Zu Recht, es schmeckt super. Geht ganz einfach und ist bei mir koffeinfrei: eine Handvoll Eiswürfel, 150 ml Hafermilch, 1 TL Ahornsirup, 1 (koffeinfreier) Espresso. Alles aufeinanderkippen, umrühren, nachhaltiger Strohhalm rein, yay.

Ich hab mich mit den boys von der Antifa getroffen. Wir haben mit Planungen begonnen, wie man Nazis den nächsten Wahlkampf schwerer machen kann. Ich hatte selten mit so freundlichen, aufmerksamen und wenig dominierenden Mitmenschen zu tun. Das war sehr angenehm.

Mitte Oktober sind zwei Babys von super Leuten geboren. Ich hab was eckiges, kraus rechtes gestrickt und auf den Weg geschickt. Einmal in den Westen, einmal in den Süden. Wie immer ein großer Spaß.
Alles Gute für euch, lieber J und lieber P. Komische Welt, auf der ihr gelandet seid, aber gut, müsst ihr selbst wissen. Wobei dieses Gespräch zwischen Nicolas Semak und Frank Schätzing irgendwie Mut macht und Hoffnung gibt, dass vielleicht doch nicht alles nur scheiße wird. Vielleicht kriegen wir alle miteinander noch die Kurve.

Und dann ist was verrücktes passiert: Wir haben plötzlich Zugriff auf einen Garten. Mit eigenem Schlüssel! Es handelt sich um 240 qm Grabeland ohne Strom und Wasser, dafür mit verschimmelter Hütte. Wir können über Grünstreifen mit dem Fahrrad hinfahren und haben bereits sehr viele Himbeerpflanzen als Sichtschutz gepflanzt. Es sind noch einige andere mit dabei und mal gucken, wie das so wird. Vielleicht echt ganz gut.

Und einen cuten Igel getroffen. War ne gute Woche, bald ist Weihnachten.

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