Hühnersuppe

Ich habe eine Hühnersuppe gemacht und die ist richtig gut geworden. Vor genau zehn Jahren habe ich das schonmal probiert. Ich nahm dazu ein gefrorenes Suppenhuhn und das ist ein schlimmer Fehler, meinte ein Freund. Die Suppe schmeckte dann auch nicht besonders, ich kippte noch ein paar Pfund Brühpulver rein, dann gings.
Naja, am Wochenende hatte ich akut Lust auf mehrstündiges Rumgerühre und langsames vor sich Hinköcheln und abschmecken und dass die ganze Etage nach Hühnerbrühe duften würde fand ich auch gut. 

Die Hühnersuppe ist eine Mischung aus einem Brigitte-Rezept und den Hühnersuppeerfahrungen des kochweisen Freundes geworden.

__ 2,5 kg Suppenhuhn
Also bei mir waren es zwei kleine Suppenhühner, jedes wog etwas mehr als ein Kilo. Der Freund sagte, ich soll die Innereien und Hälse mitkochen. Innereien und Hälse habe ich nicht mitgekocht, der spinnt doch. Dafür den Bürzel abgeschnitten.
Ich habe die Hühner also abgebraust und dann nebeneinander in einen sehr großen Topf gelegt und so viel kaltes Wasser reingegossen, bis sie bedeckt waren. Also etwa vier Liter. Und Salz rein.
Kaltes Wasser ist wichtig für den Geschmack, sagt Brigitte. 

__ einige Pfefferkörner
__ einige Lorbeerblätter
__ ein zeigefingergroßes Stück Ingwer
__ einige Stängel glatte Petersilie
__ drei große Möhren
__ eine halbe Knollensellerie
__ eine Petersilienwurzel
__ eine Stange Porree
Das Gemüse in gröbere Stücke schneiden und zusammen mit den Gewürzen und Kräutern in den Topf geben.
__  eine ungeschälte Zwiebel
halbieren und die Schnittflächen in einer fettfreien Pfanne anrösten. Mit der Schale in die entstehende Hühnerbrühe geben. Brigitte sagt, das macht die Suppe golden und Brigitte hat recht.

Das alles wird dann knapp zwei Stunden gekocht, wobei der Deckel ein bisschen geöffnet sein soll. Mein Topf war so voll mit Zeug, da ließ sich eh nichts verschließen. Der Duft!
Am Ende habe ich die beiden Hühner vorsichtig aus dem Topf geholt und in eine Auflaufform gelegt. Die suppten dann noch etwas rum und die Flüssigkeit sammelte sich, die hab ich dann am Ende wieder in den Topf gekippt. Niemand wird zurückgelassen! Und dann wurde passiert. Passieren. Das ist großartig. In meiner Schulzeit habe ich in der Großküche einer Seniorenunterkunft gearbeitet. Ich war für alle super einfachen Aufgaben zuständig, die gleichzeitig auch super anstrengend waren. Leute, die ihre Sozialstunden ableisten mussten, halfen mir manchmal. Boden schrubben, Kühlhaus schrubben, Kessel schrubben, Käsemaschine schrubben, Konvektomat schrubben, Topfreiniger schrubben, Essenswagen bestücken und wieder ausleeren, tausend Mal die Fließbandspülmaschine ein- und ausräumen. Tische eindecken und abdecken und am allerliebsten Gemüse putzen. Es waren immer dieselben Abläufe und Zeiten und Handgriffe und samstags und sonntags morgens sehr gut mit Kater zu bewerkstelligen. Viele in sich geschlossene Aufgaben, viele unmittelbar sichtbare Arbeitsergebnisse, viele Möglichkeiten sich tüchtig und emsig zu fühlen und zwischendurch mit dem Koch und den Hauswirtschafterinnen plappern und wenn niemand schaut, den Radiosender wechseln. Ich denke in letzter Zeit sehr oft an diesen Job. Kopf aus, Hände an. Naja, einmal sollte ich jedenfalls die Suppe passieren. Das hatte ich schon oft gemacht, dachte ich, denn viele Bewohner konnten nur noch breiartige Konsistenzen verwerten. Da wurde alles geschreddert und egal, wie es vorher aussah, hinterher war alles brauner Matsch. Wobei man Fleisch und Wurst nicht mitpürieren darf, dann wird alles grauer Matsch und den will niemand essen. Ich dachte also, passier ich mal die Suppe und das tat ich dann. Passieren aber ist etwas völlig anderes als schreddern. Und so war der Koch dann relativ entsetzt, als ich ihm am Ende zwanzig Liter braunen Matsch zeigte, statt zwanzig Liter klare Rinderbrühe. Aber gelacht hat er dann doch, denn ein paar Monate fing der Ruhestand an und eigentlich war ihm schon alles scheißegal. Er hat auch viel getrunken bei der Arbeit. Viel Schnaps, viel gelacht. 

Also, ich ließ bei meiner werdenden Hühnersuppe den Topfinhalt durch ein feines Sieb fließen und fing alles auf, was nicht flüssig war. Raus kam Hühnerbrühe, schönstes Gold.

__ vier große Möhren
kleinschneiden und in der köchelnden Hühnersuppe garen. Drei Minuten vor Garende 
__ 250 g Eierfadennudeln
hinzugeben.
Am Ende 
__ 250 g tiefgekühlte Erbsen
__ viele Stängel glatte Petersilie
__ Eierstich
__ kleingeschnittenes Fleisch der ausgekochten Suppenhühner
hinzugeben und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Exkurs: Eierstich machen
Wie einfach und geil ist Eierstich? Ich habe bislang immer einfach ein verrührtes Ei in Suppen geworfen. Das geht noch viel, viel besser!
__ zwei Eier
__ 125 ml Milch
__ frisch geriebene Muskatnuss
miteinander verquirlen und in zwei gefettete Tassen schütten, sodass sie zu 2/3 gefüllt sind. Die Tassen gut mit Alufolie verschließen, in einen Topf stellen und sehr heißes Wasser dazugeben bis die Tassen zu 2/3 in Wasser stehen. Deckel drauf und in kochendem Wasser für etwa dreißig Minuten stocken lassen. Den Eierstich aus den Tassen stürzen, in Würfel, Sterne oder winzige Eiffeltürme schneiden und in die fertige Suppe geben.


Der Winter kommt und ich habe goldene Hühnersuppe. Praise be.




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