Wir spielen: 7 Wonders Duel

Ja, also das zweite Spiel, das sag ich mal gleich, fand ich nicht so gut. Da hab ich verloren und außerdem befand ich mich ab der ersten Runde in einer äußerst defensiven Position, weil Monsieur LeGimpsi direkt wie ein Irrer startete. Völlig aggro. Ich war dann die ganze Spielzeit darauf bedacht, dass er mich nicht zerstört oder punktemäßig davonläuft. Da war ich also mehr mit dem Gegner beschäftigt, als mit der eigentlichen Spielidee, nämlich mir eine schöne, prosperierende Stadt zu bauen. Das hat nicht so viel Spaß gemacht! Wie so ein kleiner Terrier bin ich rumgerannt und hab versucht, ihm ein Stück aus den Waden zu beißen.
Dabei kann 7 Wonders Duel ein richtig gutes Spiel sein. Es bietet einem an, sich strategisch schön auszubreiten und dann auf unterschiedlichste Weise zu gewinnen.

Eigentlich zieht man die ganze Zeit nur Karten. Die liegen in verrückter, genau einzuhaltender Formation vor den Spielern, manche verdeckt, manche offen, manche beides. Allein die Spielorbereitung erfordert fortgeschrittene Häkelkenntnisse. Nun ja, jedenfalls entscheidet man sich immer abwechselnd für diejenige Karte, die einem grad am besten in den Kram passt. Nur komplett frei zugänglich muss sie sein. Und bezahlen muss man sie können. Manche sind aber auch kostenlos, auf die war ich meistens angewiesen. Die Karten enthalten entweder Ressourcen wie Holz oder Siegpunkte oder Forschungssymbole oder Militärstärke oder kleine geheime Zeichen, die, wenn sie aufeinander treffen, wie Freitickets gelten. Man kann sich aber auch dazu entscheiden, die gezogene Karte zu entsorgen. Dann erhält man als Entschädigung einen Geldbetrag. Weil ich von vornherein in dieser defensiven Angelegenheit steckte, hatte ich leider kaum Mittel, Karten zu erwerben und war die meiste Zeit damit beschäftigt, zu schauen, welche Karten für Monsieur LeGimpsi wohl am interessantesten sein könnten und die dann aus dem Verkehr zu ziehen. Das war so entwürdigend! Ein elendes Rumgekrebse. Dabei hätt ich doch echt gern meine Stadt auf Vordermann gebracht. Je nach Kombination gesammelter Karten hätte ich dann in Wissenschaft investiert und Weltwunder errichtet. Ich hätte da so viel machen können, alle meine Stadtbewohner hätten ein schönes Leben gehabt. Ich hätte das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt und alle hätten wenn überhaupt nur in Teilzeit arbeiten müssen. Und die Kinderbetreuung wäre 1a gewesen und die Renten sicher. Alle wären immer nur von Chefärzten behandelt worden und hätten umsonst Bus und Bahn fahren können und es hätte eine unfassbar hohe Reichensteuer gegeben und bestes Internet. Und in den Cafés und Restaurants hätte es immer eine Karaffe mit gratis Mineralwasser gegeben. Weil viel trinken doch echt wichtig ist. Ging aber alles nicht, blieb auf Krebsniveau. Monsieur LeGimpsi bedrängte mich ja bereits militärisch massiv, als ich noch nichts weiter als Stadtmauern hatte. What a dick move.
Aber das alles steckt jedenfalls in dem Spiel drin, wenn man einander lässt. Am Ende gewinnt derjenige, der die meisten Siegpunkte hat oder wissenschaftlich oder militärisch überlegen ist.

Kategorien: Strategiespiel, Aufbauspiel, Weltwunderweitwurf
Dauer: genau richtig
Frustrationstoleranz erforderlich: ja, wenn der Gegner ein kompetitiver Städtebauaggro ist
Anzahl der Spieler: zwei sind erlaubt
Was machen Kinder solange: schlafen

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