Was das Baby mit knapp sechs Monaten so macht

Das Baby unterhält sich neuerdings vornehmlich flüsternd und hat große Freude daran, stimmhaft zu atmen. Es erinnert an eine wirre Katzenfrau, die sich ständig dieselben geheimen Verschwörungstheorien erzählt.
Es übt mit Ausdauer und Interesse zu sitzen und fordert immerzu, man möge ihm doch eine Hand reichen, an der es sich in Position ziehen kann. Richtig lange bleibt es dann aber nicht aufrecht, dazu ist noch zu viel Wackelei dabei.
Bananen isst das Baby äußerst gern. Wenn sie stückchenweise auf meinem Finger dargeboten werden. Dann packt es ihn mit der linken Hand und schiebt ihn sich wie ne Pommesgabel in den Mund. Irgendwie ist das unsere Methode im Moment. Außerdem mag es Möhren, Pastinaken, Mandarinenstückchen und grobe Hafergrütze. Wasser trinkt es mit unserer Assistenz aus nem ganz normalen Glas, das klappt schon einigermaßen gut.
Das Baby unternimmt weiterhin keine große Anstrengungen besonders mobil zu sein. Manchmal dreht es sich vom Bauch auf den Rücken, aber das passiert eher zufällig. Gleichzeitig hat es einen spürbaren inneren Bewegungsdrang und ist entsprechend frustriert, weil es nicht so kann, wie es möchte. Ich glaube, da ist der Groschen einfach noch nicht gefallen, dass es die Selbstkompetenz in sich trägt, sich über kurze Distanzen zu bewegen. Da müsste mal ein wenig Inspiration ins Kind, aber ich halt mich da raus, wird schon noch flutschen.
Baden gehört mittlerweile nicht mehr zur gefürchtetsten Tätigkeit. Sitzend im Wasser fühlt es sich deutlich wohler und sicherer. Wir haben ja keine Badewanne, nur so ein Plastikding für Babys, das wird aber nicht mehr lang passen. So langsam sollte ich es wohl mal ans Duschen gewöhnen. Willkommen, neuer Endgegner.
Am liebsten ist das Baby mit der Trage fest an mich drangetackert. Es verfällt dann oft augenblicklich in einen regungslosen, ins sich gekehrten Zustand. Wie ein nichtdrogeninduzierter intrauteriner Flashback kommt mir das vor. Wie sichtbargemachte, nach außen getragene Geborgenheit. Vielleicht liegts aber auch einfach am Sauerstoffmangel. So schläft es tagsüber jedenfalls sehr zuverlässig ein. Das Baby neigt allerdings zum Powernapping. Es pennt über den Tag verteilt zwei- bis dreimal für etwa ne halbe Stunde. Leider nicht besonders tief oder unkaputtbar. Diesen leichten Prinzessinnenschlaf hat es von Monsieur LeGimpsi.
Die Nächte sind ganz ok. Das Baby wird dann und wann wach und will nen Schluck trinken, aber es liegt ja direkt an mir dran und da passiert die meiste Action zwischen uns im Dämmerzustand.
Für längere Spaziergänge ist es mir mittlerweile in der Trage zu schwer. Da nehmen wir den Kinderwagen. Für die Babytragetasche ist es bald schon zu groß, sobald das Sitzen zuverlässig klappt, wird der Wagen umgebaut. Gut, dass wir noch nen Wintersitzsack von Dr. Schmotzen haben.
Sehr zufrieden ist das Baby, wenn es morgens aufwacht und den Lichteinfall ins Zimmer beobachtet. Wenn es kurz allein im Bett liegt und lauscht, wie Dr. Schmotzen und Monsieur LeGimpsi das Haus verlassen und ich eine schnelle erste Aufräumrunde mache. Wenn ich mich dann wieder zu ihm lege und wir noch eine Weile mummeln. Wenn es mir zuschaut, wie ich meine Haare zusammenbinde und die Brille aufsetze. Wenn es beim Anziehen mit dem Stofftier spielt, das nur fürs Bett ist. Wenn wir mittags zusammen mit Dr. Schmotzen essen. Wenn ich ihm die Arme hinhalte, um es hochzunehmen. Wenn es nackt sein kann oder wenigstens barfuß. Wenn Dr. Schmotzen Klavier übt, zumindest die ersten paar Minuten. Wenn es Wasser trinken darf. Wenn es irgendeinen Gegenstand mit großer Konzentration untersucht. Wenn Monsieur LeGimpsis Kopf abends aus dem Nichts vor ihm auftaucht. Wenn wir uns ins Bett legen und es nach dem Trinken noch ein wenig rumlabert und dann langsam wegdöst.
Ich glaube, wir haben es mit einem zu gleichen Teilen robusten und feinen Menschen zu tun. Wie schön.

2 Replies to “Was das Baby mit knapp sechs Monaten so macht”

  1. Oh wie schön!
    Hat sie denn auch schon ihr Spiegelbild entdeckt? So von wegen Spiegelstadium und die langsame Einführung in die Symbolische Ordnung?

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    1. Nein, da patscht sie dem Baby im Spiegel immer vergnügt ins Gesicht und wundert sich, warum das so hart und flach ist. Babys, die kleinen Idioten.

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