Tag 9: Im Ameisenland

Ich habe eine Tasche genäht. Mit Innenverkleidung. Und vorn drauf hab ich den Namen des neuen Kindes freihandgestickt. Wobei ich nicht genau weiß, was sticken eigentlich ist. Ich hab halt die Großbuchstaben draufgenäht. Das war gar nicht so leicht und meine Hand-Fuß-Koordination ist viel schlechter, als ich dachte. So eine Nähmaschine rattert aber auch echt in ner Höllengeschwindigkeit, wenn man sie lässt.

Processed with VSCOcam with f2 presetZur Tasche angeleitet hat mich Dana. Die ist ganz schön streng und steht auf Bügeln und maßgenaues Arbeiten. Nach jedem Arbeitsschritt soll man immer alles bügeln und nachmessen. Hab ich nie gemacht, ich hab den Stoff höchstens mal mit der flachen Hand gradegezogen und statt nachmessen hab ich ziemlich kritisch und möglichst rechtwinklig geschaut.
Gut, dass das kein Volkshochschulkurs war, Dana hätte mich bestimmt sofort rausgeschmissen. Trotzdem bin ich ganz zufrieden, wenn man den Reißverschluss öffnet, sieht von innen alles tiptop aus.

Processed with VSCOcam with f2 presetDas hat den gesamten Vormittag gedauert. Dann war ich hungrig und habe mir das Lieblingsessen aus Bürokantinensternekochzeiten nachgekocht. Maultaschen mit angeschmelzten Zwiebeln und lauwarmem Kartoffelsalat. Der Sternekoch kanns besser. Aber der hat ja auch tausend Leute, die für ihn arbeiten und abschmecken und schnippeln. Am Ende richten sie dann minifuzzikleine Portionen auf den Tellern an. Meine Portion heute war größer. Und ich will mal sehen, was der für ne Tasche genäht hätte.

Zwischendurch musste ich mich um unsere aktuelle Ameisenkolonie kümmern. Seit ein paar Tagen bevölkert sie unser Wohnzimmer und baut einen städteplanerisch eindrucksvollen Wirtschaftsweg von der Schlafzimmertürecke bis zum Küchenschranksockel. Ameisen arbeiten ungemein effizient und planvoll. Die haben sogar einen kleinen Kreisverkehr errichtet. Außerdem kommunizieren sie ganz wunderbar. Ihre Straßen sind in beide Richtungen zweispurig. Alle paar Zentimeter gibt es Verkehrsinseln, auf denen sich die Ameisen der unterschiedlichen Richtungen treffen und einen kurzen Plausch halten. Das dauert aber nie länger als anderthalb Sekunden. Keine Ahnung, was die in der Zeit besprechen, Börsenthemen, vermutlich.
Die Ameisen sind wie ich. Ab Mittag hören sie mit der Emsigkeit plötzlich auf. Dann verziehen sie sich und lesen oder schauen Filme. Ich hab sie eigentlich ganz gern, trotzdem können sie nicht bei uns bleiben. Morgen werd ichs ihnen erklären.

3 Replies to “Tag 9: Im Ameisenland”

  1. So ein Ameisesenproblem hatte ich auch mal. Sie waren wohl der Meinung mein Hund könnte ihr Eier ausbrüten. Zumindestens haben sie ihre Larven unter dem Hundekörbchen gehortet. Als ich das entdeckt habe waren sie auch gleich einsichtig und haben sich einen anderen Platz für ihre Kita gesucht. Man kann also ganz gut mit den Mädel’s reden.

    LG, Katrin

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    1. Hach, ich mag, wie effizient die sind. Die denken richtig mit und nutzen vorhandene Ressourcen. So viel wie ich im Moment aufm Sofa liege, sollte ich mal unter meine Kissen schauen.

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  2. Der Name des Kindes steht inzwischen fest? Wie schön! Ich bin schon so gespann!

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