Tag 6: Familie als repressiv neurotischer Zwangsverband

Ich habe heute festgestellt, dass eine etwa einstündige Aktivität mir genug Gewissensruhe gibt, den Rest des Tages genussvoll zu faulenzen.
Letzten Donnerstag, als ich nix gemacht hab und den Tag mit Tom Cruise auf dem Sofa verbrachte, ereilte mich ein lethargisches Stimmungstief. Nix machen ist also keine Option. Bereits eine Stunde Aufräumen, Gartenarbeit oder wie heute ein Spaziergang in Schneckengeschwindigkeit reichen, um mich sehr zufrieden zu stimmen und die Protestantin in mir so zu ätherisieren, dass im Anschluss der sofortige Feierabend ausgerufen werden kann. Ich finde, das ist ein ganz erstaunliches Mischverhältnis.

Ich bin total Pleite, darum werde ich den Rest des Monats nur noch Kartoffeln mit Quark essen und meine Küchenambitionen auf Mai verschieben.

Processed with VSCOcam with f2 presetNach dem Spaziergang habe ich begonnen, die aktuelle Geo Epoche zu lesen. Im ersten Kapitel wird sehr schön die Genese der Roten Armee Fraktion beschrieben. Irgendwie war die Gewalt von Anfang an vorauszusehen und unvermeidlich. Nicht unbedingt die der RAF, aber eben doch das etwas militantere Interpretieren von Demonstrationsrecht in den Sechzigern. Wobei Leute wie Fritz Teufel das ja zunächst durchaus gelungen auf satirische und entlarvende Weise betrieben haben. Ach, das hätte noch so gute Wege nehmen können. Und dann ist die moderate Bewegung irgendwie versandet und ein kleiner Teil hat sich mit der RAF neu aufgestellt und Irrsinn verbreitet.
Jedenfalls freu ich mich über diese Geo-Ausgabe. Monsieur LeGimpsi ist mehr so Karl der Große-Leser, ich mag den jüngeren Kram.

Der Mann, das Kind und ich haben uns auf einen Namen für das neue Familienmitglied geeinigt, sollte zwischenzeitlich nicht noch eine goldfunkelnde Alternative vom Himmel fallen. Wir drei hatten jeweils unterschiedliche Präferenzen, gerechterweise kam niemand mit seiner durch. Haben wir also nach alter Kommune 1-Manier auf Autoritätsgebärden verzichtet und die Kompromisslösung gewählt, mit der wir nach langen Debatten nun sehr, sehr zufrieden sind.

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