Tag 3: Aufm Acker

Der Tischler stand um neun vor der Tür. Er reparierte in Lichtgeschwindigkeit zwei Rollläden und die Badezimmertür, die hängt in einer abenteuerlich eingebauten Zarge, hatte sich aus lauter Frust verzogen und ließ sich vor allem von innen nur noch schwer zuziehen. Eigentlich brach dabei jedes Mal die Klinke ab.
Wir wohnen in einem sehr schiefen Haus. Das fällt jedem Handwerker immer direkt auf und dann wundert er sich erst ein wenig und dann ärgert er sich sehr und fängt an, handwerklich zu improvisieren und hofft, dass das Baugewerbeaufsichtsamt nichts von der Bastelei erfährt. Oder halt irgendwelche anderen Sachverständigen. Die Handwerker tun mir immer sehr leid.
Dass hier alles so schief ist, liegt daran, dass mein Opa das Haus damals zusammen mit fünf betrunkenen Bauern selbst gebaut hat. Mein Opa war Friseur und zwar für Damen- und Heerenköpfe. Als Friseur war er bestimmt ganz okay, als Hausbauer eher nicht. Wie die meisten Nachkriegsprivatimmobilien hat unser Haus nicht eine gerade Wand und keinen symmetrischen Grundriss. Unsere Bücherregale schließen unten mit der Leiste ab, nach oben hin stehen sie in der Regel fünf Zentimeter weit weg von der Wand.

HausÜber die Jahre wurde das Haus andauernd grundlegend verändert. Vor allem stückweise vergrößert. Anscheinend waren auch damit keine Fachkräfte beauftragt. Mein Opa war inzwischen Industriemeister, er hatte sich also eher vom Handwerk wegbewegt, trotzdem baute er weiter. Warum, frag ich mich. Aus einem ursprünglich klein konzipiertem Haus ist im Laufe der Zeit ein Haus geworden, in dem zwei Familien Platz haben. Aus drei Zimmern sind fünfzehn geworden. Alle paar Jahre wurde Raum für einen weiteren Menschen geschaffen, so kann man das etwa sagen. Jede Zimmerwand war irgendwann also einmal eine Außenwand. Wir haben sehr dicke, massive Wände. Wenn du einen Nagel reinschlagen willst, verbiegt er sich. Wenn du ein Bild aufhängen willst, brauchst du eine Bohrmaschine. In den Siebzigern ist mein Opa aus dem Haus ausgezogen. Er lebte in der Stadt und war Tennislehrer.

Processed with VSCOcam with g3 presetIch habe dann nach kurzer Rücksprache mit mir den Plan geändert und den Kickoff zur Gartenarbeit auf heute vorverlegt. Schränke ausmisten geht auch bei schlechtem Wetter. Das halbe Beet wurde entmoost, einige Regenwürmer dabei verdoppelt. Sorry, guys. Der Schattenbereich ist nun bereit für die Bepflanzung. Ich streu da einfach ein paar Wildblumenwiesensamen aus, das reicht. Der sonnige Teil ist morgen dran, irgendwo unter dem Gestrüpp liegt ein kleines Kräuterbeet, ich muss mal schauen, ob das noch zu retten ist.

Zu essen gabs heute Ellas Kumpir. Meine Güte, das war wirklich sehr, sehr lecker.
Processed with VSCOcam with g3 presetOfenkartoffeln finde ich eh gut, die schmecken nochmal besser und kartoffeliger als Pellkartoffeln. Zusammen mit der Gemüse-Käsefüllung und der Joghurtsauce war das ein richtig glücklichmachendes Mittagessen. Meine Version des Kumpirs bestand aus gegrilltem Gemüse (Zucchini, Champignons und Paprika), Frühlingszwiebeln, Tomaten, Gurken, Mais und Feta. Bei der zweiten Kartoffel hab ich drauf verzichtet, ihren Bauch mit Butter und geriebenem Käse zu vermischen. Hab sie einfach nur mit dem Gemüse und der Sauce gefüllt. Geht gut.
Jetzt Feierabend: lesen und dösen.

One Reply to “Tag 3: Aufm Acker”

  1. […] "Dass hier alles so schief ist, liegt daran, dass mein Opa das Haus damals zusammen mit fünf betrunkenen Bauern selbst gebaut hat. Mein Opa war Friseur und zwar für Damen- und Heerenköpfe. Als Friseur war er bestimmt ganz okay, als Hausbauer eher nicht." […]

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.