Das Buch im Kopf

Des Kindes Liebe zu pink und alles, was sich dazugesellt, rosa und Magenta etwa, ufert ein wenig aus.
Es reicht nun nicht mehr, sich selbst in Gewänder zu hüllen, die einen vor einem Mädchenspielzeugabteilungsregal verschwinden lassen und Bilder ausschließlich in Rottönen zu produzieren, nein, neuerdings muss auch die Zeit tiefen Unbewusstseins farblich ansprechend dekoriert sein. Dr. Schmotzen schläft auf einer mit einem pinken Pullover gepolsterten Buchseite.
Nachdem wir die Abendgeschichte gelesen haben, darf sie sich im Bett noch ein wenig allein das Buch anschauen. Das ist hier das einzige pädagogische Konzept, das einwandfrei funktioniert: Koppelung von Bettfertigkeit mit Lektürebeschäftigung. Gehört zu meinen klarsten und schönsten Erinnerungen an früher, dieses abwechselnde heimlich Lesen und augenblicklich schlafend Stellen, sobald Schritte von Füßen mit hohen Schuhgrößen in Zimmernähe zu hören waren. Die Verknüpfung von Geschichten und Bettwärme und Müdigkeit und nur eine Seite noch. Bis heute kann ich am besten einschlafen, wenn ich vorher gelesen habe, wenn ich meinen ganzen Tagmüll ablegen kann und einer einzigen, perfekten Stimme zuhöre, die allein in meinem Kopf spricht. Diesen Trick wünsche ich Dr. Schmotzen auch.
Wenn sie schläfrig ist, blättert sie vor bis zur Illustration mit dem Brief und dem rosafarbenen Herzsiegel. Die wird fachmännisch mit weichem Stoff bezogen und dann das Haupte darauf gebettet. Wir lassen ihr das.
Außerdem hat im Kindergarten eine Läusekolonie das Kommando übernommen. Dr. Schmotzens Schopf ist bislang noch autonomes Gebiet.

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