One day, son, you’ll be the lion king

Seit ich denken kann, frage ich meine Mutter sofort nachdem sie einen Bekannten getroffen und geplauscht hat, sobald dieser sich verabschiedet und den ersten Zentimeter fortrückt “Wer war das?”. Und dann sagt sie mir, wer das war und betrachtet mich mit diesem Blick, mit dem sie kleine Kinder beim vergeblichen Schleifebinden anschaut, bloß dass bei mir noch ein ironisches Blitzen mit dabei ist und geniert sich, weil in den meisten Fällen derjenige noch mitgehört hat und der sich in den allermeisten der meisten Fälle umdreht und meine Mutter kollegial angrinst und mich fragt, ob ich eine Scheibe Kinderwurst haben möchte. Ich habe das nie verstanden, was an diesem bekundeten Interesse an Menschen so unangenehm sein soll.
Eben beim Einkaufen unterhielt ich mich kurz und dann als Dr. Schmotzen und ich wieder zwei Quadratmeter Privatsphäre hatten: wea wa dass?
Neben ein wenig Peinlichkeit fühlte ich mich ziemlich so.

garantierte Süßigkeitenzufuhr

Bei 300 Kollegen hat immer irgendwer Geburtstag. Oder Einstand. Oder Ausstand. Oder Hochzeitstag. Oder Verlobung. Oder Kinderzuwachs. Oder Genesung. Oder Jubiläum. Oder Gehaltserhöhung. Oder Urlaubsbewilligung. Oder Steuerrückzahlung. Oder Brustvergrößerung. Oder Erbschaft. Oder Projektschluss. Oder Typveränderung. Oder Unterzuckerung.

Coulrophobie

Heute Morgen in der Dämmerung auf einer einsamen Landstraße.
Ein Wagen kommt entgegen. Ein Clown sitzt drin.
Hätten wir nicht Rosenmontag, es wäre atemberaubend gruselig.

Der illustrierte Tag III


Raus aus dem Bett, altes Laken! Der Tag beginnt mit frischen Leinen. Die müssen im März ohne Winterfeatures auskommen. Ein biber- und frotteefreier Schlafplatz wartet heute Abend auf mich.
Schau sie Dir gut an, diese Eintausend Furchen und Falten. Ich sage: Lass los, was Dich klein macht!, entscheide mich für den BH und verbrenne das Bügeleisen.


Dieses Auto! Wie schmutzig kann so eins werden? Zu Testzwecken, um zu erfahren, wie schlimm es wirklich steht, habe ich es neulich bei mitfahrenden Menschen mit dem verdreckten Aquarium von Findet Nemo verglichen. Die haben ja nicht mal aus Höflichkeit protestiert.
Dr. Schmotzen durfte als Beifahrer aus der Garage ausparken und fühlte sich mit fehlendem Kindersitz in akuter Lebensgefahr: aupassn!! mama! auuuupassn! dotte, fehaltn! (dotte ist ihre wissenschaftliche Bezeichnung für sie selbst)


Pizza. Rucola auf Serrano auf Tomaten auf Käse auf Tomatensauce auf Hefeteig.


Verabredung mit der Sonne im Garten. Dr. Schmotzen reiht Kiesel von hier bis Papua-Neuginea. Ich höre den Podcast Nummer 12 von Alternativlos!.
Als Gäste sind die Macher von neusprech.org eingeladen und reden über Sprachkritik, über die Instrumentalisierung der Sprache durch Politik und Interessensgruppen. Sie verdeutlichen, wie viel Macht derjenige besitzt, der Sprache einsetzt. Dass er beispielsweise allein durch das strategische Vermeiden von negativ assoziierten Begriffen die Wahrnehmung der Empfänger lenkt. Etwa mithilfe simpler Umbenennungen. Dass also Befürworter flächendeckend nicht mehr von Atomkraft sondern von Kernenergie sprechen. Und so interessengeleitet versuchen, diesen Diskurs von seinen lästigen Konnotationen zu reinigen und ihn der kollektiven Wahrnehmung ausgehebelt, in neuem Gewand zu präsentieren. Um den gesellschaftlichen Bedarf an kritischer Diskussion gar nicht erst aufkommen zu lassen. Interessant ist auch, dass durch die Entscheidung für die Verwendung des Begriffs Atomkraft oder eben für Kernenergie der Sprecher sich sofort zu einem der (politischen) Lager bekennt, egal wie neutral er seine Aussage gestaltet.
Nur ein Aspekt des Neusprech unter zahlreichen anderen, die in diesem Podcast zum Thema gemacht werden. Auf die Frage, ob es bei diesem allgegenwärtigen instrumentalisierten Gebrauch überhaupt noch so etwas wie das Konstrukt “ehrliche Sprache” geben kann, lautet die nüchterne Antwort nein! und die Lösung schlicht und utopisch: Schaffen wir ein sensibleres gesellschaftlich-kritisches Bewusstsein.


Kurz vorm Wochenende häufen sich die Beilagen der Zeitungen. Dr. Schmotzen schläft und ich arbeite den Stapel ab.


Morgen ist der nächste Termin in Dr. Schmotzens Partykalender. Die Turnhalle füllt sich mit fünfunddreißig Piraten, achtzehn Räubern, dreiundzwanzig Prinzessinnen und bestimmt auch einer ordentlichen Fraktion Marienkäfern. Am Kostüm meiner Tochter fielen zwischenzeitlich ein paar Punkte ab, Restaurationsarbeiten sind alternativlos. Ha, da schon wieder! Die Sprache, eine bitch.


Zweimal Pizza am Tag ist absolut legitim und vernünftig. Die erste war schließlich selbstgemacht und bestand quasi nur aus Salat und die zweite ist langjähriger Kooperationspartner des Tatorts und unterstützt den Vegetarismus.

Lies auch bei Frau Liebe, deren Sonntage passen ebenfalls auf sieben Bilder.

Chopin: Op. 70, No. 2


Dieser Walzer, notiert auf zwei Seiten. 126 Takte. Hat sich eingerichtet auf der Notenablage. Hat sich gepflanzt in mich.
Wie er irrt auf dem Weg in die Hand. Da kann er beruhigt sein, ich werde auf ihn warten.

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