Stewie in meinem Kopf

Gegen meinen Willen haben Monsieur LeGimpsi und ich 5 Staffeln von Family Guy geschaut. Im Original, die deutsche Fassung ist ja die die Definition von Unlustigkeit. Was soll ich sagen? Ich bin infiziert. Stewie hat in meinem Kopf Einzug erhalten und kommentiert den Alltag auf sehr komische Weise. Zu meiner Überraschung hat er es vor allem auf Katzen und Männer in Anzügen abgesehen.

How you uh, how you comin’ on that novel you’re working on? Huh? Gotta a big, uh, big stack of papers there? Gotta, gotta nice litte story you’re working on there? Your big novel you’ve been working on for 3 years? Huh? Gotta, gotta compelling protaganist? Yeah? Gotta obstacle for him to overcome? Huh? Gotta story brewing there? Working on, working on that for quite some time? Huh? Yea, talking about that 3 years ago. Been working on that the whole time? Nice little narrative? Beginning, middle, and end? Some friends become enemies, some enemies become friends? At the end your main character is richer from the experience? Yeah? Yeah? No, no, you deserve some time off.
(via)

Frische Federn

Das Bett ist frisch bezogen. Dr. Schmotzen half mir, die alten Laken abzuziehen und legte sie pflichtbewusst in den von ihr auserkorenen Wäschekorb. Heute war das der Puppenwagen.
Den ganzen Tag freue ich mich auf den Moment, in dem ich mich unter der jungfräulichen, duftenden Bettdecke vergrabe. Es gibt nichts besseres.
Als ich ganz neu mit Monsieur LeGimpsi zusammen war, die Aufregung noch groß, habe ich einmal eine Verabredung abgesagt, weil ich die Nacht lieber in meinem eigenen Bett verbringen wollte. Es war frisch bezogen.
Wie gut, dass wir jetzt ein gemeinsames Bett haben.

Gestern gingen wir ins Konzert

Monsieur LeGimpsi und ich. Die Klassische Philharmonie Bonn lud zu Gluck, Grieg und Beethoven. Monsieur LeGimpsi ist ein Kenner der Materie und wenn die Gelegenheit günstig ist, niste ich mich parasitär bei ihm ein und leihe mir seine Ohren. Gestern hätte er sie ruhig für sich allein haben können. Meine Hörgänge sind zwar untrainiert, trotzdem meine ich erkannt zu haben, dass die Damen und Herren des Orchesters leidlich unmotiviert bei der Sache waren und auch die Pianistin sich vor allem damit beschäftigte, eine Pianistin zu spielen.
Liest Monsieur LeGimpsi diese Einschätzungen, wird er mich mit jenem ernsten, bedenklichen Blick anschauen, den er immer dann trägt, wenn er meine Neigung zur Überheblichkeit betrachtet (zudem weiß er von diesem Blick nicht, was die Sache noch bedenklicher macht).
Eigentlich wollte ich von uns berichten. Von den Menschen im Publikum. Schlechterdings fühlen Monsieur LeGimpsi und ich uns sehr oft sehr alt im Vergleich zur Kontrollgruppe. Das mag daran liegen, dass wir ein Kind haben und aufs Land gezogen sind. Unsere Abendgestaltung beispielsweise hat FSK 0.
Gestern aber sind wir in einen Jungbrunnen gefallen. Das Durchschnittsalter betrug 71 Jahre und das auch nur weil vier greise Menschen von ihren Zivis getragen wurden. Über dem Saal hing ein 8 m² großes Kölnisch-Wasser-Duftbäumchen und durch die Luft schwirrten Begriffe in Sütterlin. Die alten Damen hatten sich in Schale geworfen und ihre besten Steppwesten angezogen. Die Haare lagen fluffig, gespannt wartete man auf die ersten Klänge. Ein männlich anerkennendes Raunen ging durch die Reihen als die dekolletierte Pianistin in roter Robe an ihr Instrument schritt.
Und dann begann es. Der Räusperer war sehr zaghaft, verhuscht. Sogleich gesellte sich ein stark verschleimter Rachen hinzu. Dankbar ergriff der trockene Reizhusten die Gunst der Stunde und bahnte sich den Weg nach draußen. Bonbontüten wurden aus Taschen gezogen, Nasen geputzt, jemand verließ den Saal. Allein, es fand kein Ende
Ich weiß nicht, für wen die Zuschauer beim Schlussapplaus ihre Beinchen so begeistert auf den Boden trommelten, vielleicht haben sie ihr überraschendes Überleben gefeiert. Ein Hörgenuss der Extraklasse war dieser Abend jedenfalls nicht.
Jetzt werde ich meine Oma besuchen. Ich mag alte Menschen, wirklich.
(Nichts für ungut, Herrschaften. We cool, right?)

Notfallgebäck

Wenn der süße Zahn des Nachmittags nach Befriedigung verlangt und ein Blick in Kühl- und Speiseschrank Armut an fast allen dienlichen Zutaten feststellt, dann ist die Zeit der Scones gekommen. Diese Gebäckform zeichnet sich durch asketische Schlichtheit aus und eignet sich hervorragend zum schnellen und unkomplizierten Glücksaufbau.
Dass bei der Herstellung ein Nudelholz seinen Einsatz findet, begeistert anwesende fast 2jährige und lässt sie augenblicklich vergessen, dass sie mit dem Kugelschreiber auf dem Weg zum Bücherschrank waren.

Um 9 Stück dieses soliden Naschwerks zu backen, musst Du:
250 g Mehl
0,5 Päckchen Backpulver und
75 g Butter
verkneten. Du fügst
1 EL Zucker und
50 g Zartbitter Schokotröpfchen
zu und ergänzt diese Bröselei um ca.
100 – 150 ml Milch

Sobald die Konsistenz es zulässt, legst Du den Teig auf eine Arbeitsfläche und rollst ihn unter großem Johlen anwesender Kinder zu einem Rechteck aus. Du schneidest 9 Quadrate heraus, packst sie auf ein Backblech, bepinselst sie mit Milch und schiebst das Ganze bei 220 Grad für 12 Minuten in den Ofen. Der Teig wird in seiner Metamorphose aufgehen wie verrückt und gibt anschließend gehörig mit seinem Goldgelb an.

(Bild folgt möglicherweise)

Die geschenkte Zeit

Dr. Schmotzen ist bei ihren Großeltern, Monsieur LeGimpsi verschlug es in die Uni und ich habe einen Nachmittag für mich. Einen Nachmittag für mich.
Was für eine verheißungsvolle und kontingente Vorstellung. Wie neurotisch-chaotisch hedonistisch die Umsetzung. Ich habe verlernt, mich zu beschäftigen.
Wie ein nervöses Kaninchen springe ich von einer Idee zur nächsten. Alles will ich in diese geschenkten Stunden stopfen. Alles soll passieren. Alles will ich auskosten.
Lesen möchte ich. In Ruhe, ohne bananenverschmierte Kinderhände, die Seiten umblättern und Buchstaben verstecken.
Ich las und dachte: Lesen kannst Du, wenn Du tot bist. Tue lieber etwas, zu dem Du sonst keine Zeit hast.
Ich ging in das Büro von Monsieur LeGimpsi. Eine CD wollte ich mir aussuchen. So leise war es überall, sie weiß, wie leise. Ich stand vor dem Regal und konnte mich nicht entscheiden. Die Musik für meinen Nachmittag. Die Auswahl, zu groß. Mein Mut, so klein.
Ich bekam rote Flecken und beschloss, die Wäsche zu machen. Mit Muße nämlich, ohne nebenbei ein Kind zu unterhalten. Das stellte ich mir entspannend vor. Es hat dann doch eher wenig Spaß bereitet.
Ich setzte mich auf die Couch, klappte den Laptop auf. Und schaute mir Frisurenvideos auf youtube an. Das habe ich noch nie getan. Wenn ich einen Abschlussball vor mir hätte, wüsste ich vier Frisuren, die ich mir gern angedeihen lassen würde. Das finde ich beruhigend.
Von mir aus, können die beiden jetzt zurückkommen.

Schotten dicht

Manchmal ist alles, worauf man sich in der Ungerechtigkeit berufen kann, der eigene Rückzug.

Ein Volksfest

findet statt. Jedes Jahr gibt es dort einen Toten, sagt man.
Monsieur LeGimpsi und ich waren mit Dr. Schmotzen da.
Ich habe triumphiert. Noch nie bin ich so entspannt über den Rummel geschlendert. Meine Rolle als Mutter hat es mir leicht gemacht. Dr. Schmotzen bestaunte die laute Musik und die blinkenden Lichter der Fahrgeschäfte, Monsieur LeGimpsi und ich amüsierten uns über alkoholisierte Menschen und sich verhaspelnde Budenschreier. Wir aßen gebratene Champignons und Hot Dogs und Waffeln. Es hätte ewig dauern können.
Ich habe eine schwierige Beziehung zur Kirmes.
Als ich ein Kind war, bin ich mit meinen Freundinnen losgezogen. Sie liebten Karussels und Schießbuden. Ich hatte Angst vor Höhe, Geschwindigkeit und Krach. Ich traute mich nicht ins Riesenrad, wollte nicht Kettenkarussel fahren, fürchtete mich vor Autoscooter und konnte keine Lose ziehen, weil der Mann mit dem Mikrofon alle Umstehenden informierte, was ich gewann, peinlich. Ich war ein schlechter Kandidat, als Freundin auf dem Rummel. Überall stand ich und wartete auf die anderen, die den Spaß ihres Lebens hatten.
Später dann ging ich nicht mehr tagsüber dorthin, sondern nachts, zum Feiern. Ich war nicht gut im Volksfestfeiern. Ich mochte kein Bier und ernährte mich von zuckerhaltigen Longdrinks. Es war voll, ständig fielen Betrunkene über mich, von der Zeltdecke rann kondensierter Schweiß, DJ Desselhouse gab sein Zweitbestes, anstrengend.
Wie gut, dass ich Dr. Schmotzen habe. Ich gehe einzig zum Essen auf die Kirmes. Und das findet keiner langweilig von mir.

Du, Du!

Dr. Schmotzen malt gern. Vorzugsweise an Wände, auf Kissen oder in Schränke. Einfach alles bekritzelt sie mit Buntstiften, Kugelschreibern oder Kreide. Immer, wenn ich sie dabei erwische, schimpfe ich: Du malst bitte nur auf Papier. Auf Möbel/Kissen/Wände/Badewannen/Bettdecken/Böden wird nicht gemalt!
Sie nickt dann sehr verständnisvoll und macht weiter.
Ich habe meine Fingernägel lackiert. Ganz dicht kam sie an mein Gesicht. Erstaunt und sehr ernsthaft sagte sie: Du, Du! Mal, nein.