Meine abgerockte Küche, gelb

Neunzehnhundertsechzig kaufte eine alleinstehende, dysthyme Frau eine Küche. Niedrigwertig für knappes Geld. Pickert wurde in ihr gebacken, Tabletten in ihr verwahrt. Dickwändige Flaschen mit kochendem Wasser gefüllt gegen kalte Glieder.
Fünfzig Jahre später lebt die alleinstehende, demente Frau weit weg (vielleicht lebt sie auch nicht mehr und ist einfach) und ihre abgerockte Küche gehört mir. Zimtschnecken werden hier gebacken, Gewürzmühlen verwahrt und meine Wärmflasche ist aus Kautschuk.
Letzte Woche, nach zwei Jahren, habe ich mich mit meiner Küche befreundet. Kurz bevor ich mich von ihr trennen wollte, strich ich sie in vierzehn Minuten rapsgelb und für Dr. Schmotzen die Schublade, in der ihr Besteck liegt, bonbonblau. Und so gefällt sie mir. Und so bleibt sie.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das Geheimnis liegt in sorgfältiger Abkleberei.
    Im allgemeinen bin ich ein durchaus tüchtiger Anstreicher, ich beherrsche viele Farben, das vielleicht für den Hinterkopf der bald Umsiedelnden.

  2. Pingback: Der längste Tag des Jahres | anmut und demut

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