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Vorlesen, Staffel zwei

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Auf einem kleinen Hügel, hinter einem braunen Zaun, unter einer großen Eiche, da ist mein Haus. Vor meinem Haus ein Rosenbäumchen.
Mama Katz sucht ihre Kätzchen, grau gestreift mit weißen Lätzchen. Die Schlingel haben sich versteckt, miau, jetzt hat sie eins entdeckt.
Kleine Tiere spielen und toben und balgen und klettern hoch oben. Doch wenn die Sonne untergeht und der Mond am Himmel steht, müssen sie schlafen wie jedes Kind, weil auch kleine Tiere müde sind.
Kuckuck, wo ist Nicki? Da, unter seinem Schmusetuch.*
Olli kann nicht einschlafen. Wo ist die kleine Ente?
Nachts, im Mondschein, lag auf einem Blatt ein kleines Ei. Und als an einem schönen Sonntagmogen die Sonne aufging, hell und warm, da schlüpfte aus dem Ei eine kleine hungrige Raupe.
Das ist die Geschichte vom kleinen Loch. Es ist nicht so groß wie der Krater eines Vulkans. Es ist auch nicht das Loch im Eis, in dem die Fische und Seehunde schwimmen.

Die Buchanfänge sind wieder da. Die ersten Lesebücher werden wieder vorgelesen und ich kann sie noch alle auswendig runterrattern. Diese ganzen kurzen, einfachen Texte mit ihrer eingängigen Metrik, vor einer Ewigkeit tausendmal Dr. Schmotzen vorgelesen, werden jetzt von Spartacus hochverehrt und mehrfach täglich angeschleppt.
Das kleine Kind spricht natürlich im Imperativ. Wenn es vom Regal zum Sofa angewackelt kommt, einen Bücherstapel vor sich hertragend, ihn mir auf den Schoß knallt, sich neben mich setzt und auf das oberste zeigend „da bu! lee!“ vorschlägt, ob man nun vielleicht gemeinsam ein Buch lesen könne, erinnert mich das alles sehr an die Zeit vor sieben Jahren.
Ich habe seit letztem Winter so gut wie nichts mehr vorgelesen. Die kleine Bücherverschlingerin unter uns liest selbst, nur die Gutnachtgeschichte wird noch von uns serviert, aber das ist ja Monsieur LeGimpsis Job.
Und jetzt geht es beim nächsten Kind wieder von vorn los. Wie schön. Vermutlich ist das die letzte Runde, das letzte Mal, dass ich dabei sein und ein bisschen begleiten darf, wenn ein Mensch auf Bücher trifft und möglicherweise auch wieder eine ziemlich gute Freundschaft entsteht. Spartacus, das wünsch ich dir.

*Wie sehr ich dieses Wort hasse. Ich nehme beim Vorlesen immer ein Synonym, anders ginge das nicht. Das mache ich überhaupt ziemlich oft, wenn Textstellen zu schlimm klingen. Meistens sind sie mir dann zu kitschig oder zu blumig formuliert. Es gibt Texte, da kann ich mir die Autorschaft am Schreibtisch sitzend vorstellen, gedanklich völlig zugedröhnt von ihrer merkwürdig versüßlichten Sprache. Für wen schreiben die denn? Was denken die denn, was Kinder anderes sind als Menschen?
Alles onomatopoetische lese ich auch nicht vor.

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