Alle Artikel des Monats: März 2015

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Was kann ich machen?

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Ich muss noch sechsmal ins Büro und dann nicht mehr. Dann hab ich drei Monate frei bis das neue Kind kommt. Das liegt an den vielen Urlaubstagen, die ich aus dem letzten Jahr rumschleppe. An den sechs Tagen muss ich noch einen Artikel und zwei Kolumnen schreiben. Und Rechnungen. Und die Übergabe an meine Vertretung zu Ende bringen. Und den ganzen täglichen Quatsch abwickeln, der so über meinen Schreibtisch läuft, von dem man erst in dem Moment erfährt, in dem die Mail ins Postfach flattert oder das Telefon klingelt oder jemand vor mir steht, der mir sagt, kümmere dich bitte um den Quatsch. Und ich muss noch meinen Platz aufräumen und die Mails der letzten vier Jahre wegsortieren. Und ich muss so viel Zeit wie möglich mit den ganzen Leuten verbringen, was nicht leicht ist, weil jetzt grad alle Urlaub haben. Ha, das werden lustige sechs Tage.

Und dann hab ich drei Monate frei. Was macht man mit so viel Zeit, frag ich mich. Sommersemesterferien haben drei Monate gedauert. Da hab ich dann ein Praktikum gemacht und Klausuren geschrieben. Soll ich ein Praktikum machen? Nee. Ich bin jetzt dreißig, die Zeit für Praktika ist vorbei.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mir die Tage vollzupacken, während ich hier allein rumbrösele. Dem Kind stehen die allerletzten Monate im Kindergarten bevor, es will dort noch mal maximal viel Zeit verbringen, wird also bis in den tiefen Nachmittag hinein nicht verfügbar sein. Der Mann ist im Büro, der verbringt dort eh immer maximal viel Zeit.
Jetzt gibt es aus meiner Sicht rein jahreszeitenmäßig schlimmeres als zwischen Mitte April und Mitte Juli frei zu haben. Mitte November bis Mitte Februar zum Beispiel, das schlüge mir in seiner Matschigkeit sehr aufs Gemüt, ich kenn mich doch.
Also. Bislang habe ich folgende Ideen, was ich drei Monate lang zwischen 8.30 und 16 Uhr so machen könnte, beginnen wir mit dem Nützlichen:

Ausmisten und aufräumen. Dr. Schmotzens Zimmer ist ein schlimmer Ort. Dr. Schmotzen ist eine Sammlerin und Bewahrerin und schmeißt nichts weg. Sie stapelt und stopft solange, bis keine freie Oberfläche mehr sichtbar und keine Schublade schließbar ist. Da könnt ich ja mal so richtig entsorgen und grundreinigen. Und vielleicht streichen und umräumen.
Wenn ich mit dem Raum fertig bin, gehe ich jeden Schrank unserer Wohnung durch und schmeiße alles weg, was wir nicht brauchen. Ich werd mich von allem trennen, was überflüssig ist und ich bei einer akuten Brandsituation nicht retten würde. Und dann fahr ich alles zum Wertstoffhof und zum Altkleidercontainer und zum Secondhandladen und wir wiegen direkt eine halbe Tonne weniger.

Garten. Wenn das Wetter schön ist, könnt ich mich ja mal um die achtzig Hektar Land vor der Haustür kümmern. Zumindest mein kleines Kräuterbeet entmoosen und drumherum ein paar Blumensamen ausstreuen. Die Grasbüschel zwischen den Steinchen des Kiesbeets rupfen und den Rasen vertikutieren. Wenn ich unbedingt will, könnte ich die ganzen umliegenden Beete von Unkraut befreien. Ich könnte mit den Erntehelfern auf dem Spargelfeld rumstechen.
Nun ja. Ich bin froh, wenn ich am Ende das kleine Kräuterbeet wiederbelebt habe.

Schwimmen. Ich muss mich mal so langsam wieder ein wenig sportlich betätigen. Der Mann hat leider die unterste Kommodenschublade im Schlafzimmer aufgebrochen, die hatte sich so angenehm verzogen. Da lagerte seit 2008 neben einer riesigen toten Motte mein Schwangerschaftsbadeanzug, der hätte dort ruhig noch bleiben können. Jetzt ist er frisch gewaschen. Damals war ich ein paar Mal im Freibad schwimmen, um nach der langen Liegezeit zu schauen, welche Muskeln noch an Bord sind. Ich weiß bis heute, wie sehr ich das gehasst habe. Ich bin immer genau 50 Bahnen geschwommen und nach der achten vor Langeweile eingeschlafen. Schwimmen ist echt das letzte. Dazu kommt meine grundsätzliche Furcht vor Haien, auch im Schwimmbad. Sobald mich Wasser umgibt, stelle ich mir vor, wie das ist, von einem Hai gebissen zu werden. Dann wird alles um mich rum ganz rot vom vielen Blut und ich schwimme ja eh so langsam und komme darum in der Notsituation nicht rechtzeitig zum Rand, um gerettet zu werden. Und der Hai ist ehrgeizig und lässt nicht locker und beißt immer weiter ab. Das ist doch nicht normal.
Ich bin eine ziemlich schlechte Schwimmerin. Ich kann nur Brustschwimmen und mich auf dem Rücken treiben lassen. Ich strecke meinen Kopf immer sehr weit aus dem Wasser raus, damit nichts in die Augen kommt, denn sonst muss ich anhalten und mir die Augen wischen und dann dauert alles noch länger und die scheiß 50 Bahnen gehen nie zu Ende.
Naja, jedenfalls könnte ich ja mal aus gesundheitlichen Gründen schwimmen gehen.

Kommen wir zum gemütlichen Rest:
Proust lesen. Will ich schon seit langer Zeit, könnt ich ja jetzt mal machen.

Spazieren gehen. Meine Mutter ist eine Kennerin der örtlichen Flora und Fauna und würde am liebsten von morgens bis abends im Wald rumstromern. Da könnte ich sie ja begleiten, es gibt an einem Sommervormittag wohl nichts schöneres.

Kochen, jeden Tag was neues. Wenn ich mir so anschaue, was Anke Gröner oder Ella vor sich hinkochen, so aus dem Handgelenk, schmeckt das in meiner Vorstellung jedes Mal äußerst lecker. Ich hab große Lust, mich jeden Tag eine Speise weiter durch ihre Rezeptsammlungen zu kochen.

Seit ich gesehen habe, wie umkompliziert es ist, Innenfutter einzunähen, plane ich, fließbandmäßig diese pupsig einfachen Taschen zu produzieren. Habe mir direkt 39 Reißverschlüsse bestellt und werde loslegen, sobald ich schöne Stoffe entdeckt habe. Falls jemand ein bis zwölf Taschen gebrauchen kann, soll er sich ruhig melden. Sonst bring ich sie im Rahmen der Aufräumaktion direkt zum Wertstoffhof.

Beim Stricken hab ich gemogelt. Das hab ich nämlich schon erledigt, als es mir im Januar besser ging. Und zwar eine Babydecke, sehr schlicht und unkompliziert. Jetzt hab ich irgendwie keine Idee mehr, was ich noch stricken könnte. Ich zähl ja nicht so gern Maschen, ich mags lieber, wenn ich nicht viel falsch machen und nebenbei Podcasts hören kann. Darum fallen sämtliche Anleitungen für Jäckchen oder Socken weg.

Zum Podcasthören eignet sich natürlich Puzzeln sehr gut. Puzzeln finde ich großartig, auch gern mit Dr. Schmotzen an meiner Seite. Es gibt nichts kontemplativeres.

Ich sammele mal noch ein wenig weiter. Ab Ende Juni werd ich dann auch so typischen Mutterschutzkram machen, Babysachen waschen und ne Wickelkommode aufbauen und so.
Mal sehen. Vielleicht werden die drei Monate am Ende gar nicht so schlimm, wie ich glaube.