Alle Artikel des Monats: Dezember 2013

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letzter zwölfter

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Was war das für ein Jahr?
Der Plan:
> nicht kaffeesüchtig werden: Ja. Durchschnittliche vier Milchkaffee in sieben Tagen sind in Ordnung.
> Facebook verlassen: Einigermaßen ja. Bin gleich im Januar ausgestiegen. Habe mir dann einen Fakeaccount zugelegt, damit ich mit genau fünf Leuten in Kontakt bleibe und nutze seither ausschließlich Messenger. Ist suboptimal und durchaus bekloppt, aber den ganzen Timelinequatsch bin ich wenigstens los. Zeit auf Facebook zu verbringen, fehlt überhaupt nicht.
> unbefristeten Arbeitsvertrag abstauben: Ja.
> The Wire schauen: Ja. Großartig! Freu mich auf die nächste Runde in ein paar Jahren, most def.
> ein bis zwei bislang geheime Sachen machen: Nein. Die, die ich musste, tat ich nicht, die, die ich wollte, hätte um ein Haar geklappt, wurde aber auf zweitausendvierzehn verschoben, siehe unten.

Processed with VSCOcam with se1 presetUnd sonst: Viel geredet, viel gegrübelt, viel verhandelt, untergehakt, führen lassen, runter von der Autobahn, Steine kloppen. Anstrengend wars, anstrengend ists, anstrengend wirds.
Trotzdem auch was geschafft, Beton gegossen, das tragen könnte. Richtig was geschafft, eigentlich. Fünfjahresplan so gut wie beendet und die Anschlussplanung ganz neu aufgestellt. Und, hat ja auch niemand behauptet, dass es leicht wird.

Zweitausendvierzehn:
> Ich möchte mehr rumhopsen, mehr spielen, mehr auf neue Wegesränder schauen, mehr mit Freunden machen. Mehr Meer sehen. Mehr Leichtigkeit. Verdammte Scheiße, die muss wieder rangekarrt werden, ohne Leichtigkeit machts keinen Spaß.
> Ich werd dreißig. In einer Schublade liegt ein Brief. Den hab ich mir mit fünfzehn geschrieben, damit ich ihn öffne, wenn ich dreißig bin und schaue, was ich mit fünfzehn wollte, was mit dreißig ist. Ich glaube, ich werde diesen Brief lesen und einmal kurz sehr laut lachen. Vielleicht schreib ich dann einen für den Tag, an dem ich sechzig bin.
> Ich werde jeden Umschlag, von dem ich weiß, da steckt ne Rechnung drin, sofort aufmachen. Öffnen, begleichen, ablegen. Klappt im Büro doch auch. Jeden Euro Mahngebühr spende ich am Ende des Jahres dem Verein prokrastinierender Bescheuerter. So.
> Ich will mehr spazieren gehen an schönen Orten, die in Wäldern liegen.
> Ich ergebe mich und spiele mit Monsieur LeGimspi hin und wieder mal was digitales. Außer das Wetter ist gut.
> Ich konzentriere mich auf genau eine geheime Sache und hoffe auf Abwicklung asap.
> Ich mache dem Kind große Wasserbehälter zugänglich. Es soll sich daran gewöhnen und bereit sein, schwimmen zu lernen.

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Brittas Apfelkuchen

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Meine Kollegin Britta hat einen Apfelkuchen ins Büro begleitet. Ich habe ihn erst am nächsten Tag kennengelernt und mich direkt reinverliebt. So samtig und fruchtig. Da hab ich sie direkt nach Anleitung gefragt. »Rühr jedes Ei eine volle Minute rein! Einzeln, eine Minute!«, sagte Britta streng. »Und das Mehl wird gesiebt, verstanden?« Verstanden.
Seither backte ich ihn sechsmal. Zum Glück mögen Monsieur LeGimpsi und Dr. Schmotzen Apfelkuchen nicht so gern, da bleibt mehr für mich.

IMG_1324Willste auch? So gehts:
__125 g weiche Butter
aufschlagen, dass sie weniger klumpenförmig,  eher gegenteilig ist.

__125 g Zucker
__1 Päckchen Vanillezucker
__1 Prise Salz
draufrieseln lassen. Die Rührmaschine dreht sich schön schnell und schön ausgiebig.

__3 Eier
einzeln reinwerfen, jeweils eine Minute lang warten, dann kommt das nächste Ei dazu. Das ist wichtig, sonst wird Britta böse.

__200 g Weizenmehl
__2 gestrichene Teelöffel Backpulver
sieben, dass ein allerfeinster Pulvermehlhügel zum Reinpusten einlädt. Nicht reinpusten.

__2 Esslöffel Milch
Mathematisch herleiten, wie viele Schritte es braucht, die Milch esslöffelweise abwechselnd mit dem Mehl zum Teig zu geben. Das dann operativ abbilden.

Alles zusammen in eine gefettete Springform füllen, begradigen.

IMG_1328

__4-5 Äpfel
halbieren, schälen, entkernen, die Außenseiten einritzen, ringförmig auf den Teig legen. Zwischen den Äpfeln kann ruhig ein Zentimeter Platz sein.

__1 Esslöffel Butter
schmelzen und die Äpfelrücken damit bestreichen.

Bei 180°C Ober- und Unterhitze in den Backofen schieben. Das dauert so ungefähr ne halbe Stunde, vielleicht etwas länger. Schau Dir den Kuchen an, gut gebräunt ist er fertig.
Während der Backzeit räumst Du die Küche auf und kümmerst Dich ums Aprikotieren:

__4 Esslöffel Aprikosenkonfitüre
__1 Esslöffel Wasser
Mit dem Mixer zusammenbringen, solange bis keine Stücke mehr drin sind und es ganz furchtbar ausschaut. Sowas will niemand auf dem Brot haben. In einem Topf leicht einköcheln lassen, immer mal wieder umrühren. Nach zehn Minuten müsste es eine ziemlich klebrige Angelegenheit sein, das ist gut.

__gehobelte Mandeln
in einer fettfreien Pfanne von allen möglichen Seiten rösten.

Der Kuchen ist fertig gebacken? Awesome. Direkt aus dem Ofen mit der reduzierten Konfitüre bestreichen. Großzügig sein, alles druff. Mit Mandeln bestreuen.
Wenn Du magst, schlag Dir ne Sahne dazu. Oder mach Dir nen Milchkaffee. Ab aufs Sofa, Buch aufklappen, Apfelkuchen essen, spitze.

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Plastikschnepfe

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Das Kind wünscht sich eine Barbie zu Weihnachten. Ich bin darüber ein wenig verunsichert. Eine Barbie ist ungefähr das allerletzte, was ich anschaffen möchte. Das folgt gleich auf Kriegsspielzeug.

IMG_1327Warum finde ich Barbies doof?
Ich finde nicht nur Barbies doof, ich finde jedes durchgegenderte Spielzeug doof. Jedes Spielzeug, auf dem steht, mit mir sollen nur Jungs oder mit mir sollen nur Mädchen spielen. Wenn ich sowas sehe, stelle ich mir immer die zynischen Produktentwickler vor, wie sie mit den Marketingleuten und Vertrieblern zusammensitzen und geschlechtsspezifische Farb- und Symbolwelten ausklamüsern, auf dass die nachfolgenden Elterngenerationen allein durch die unglaubliche Masse an Verpinkung und Vermaskulinisierung für jedes kritische Bewusstsein anästhesiert werden. Die wissen gar nicht, was sie alles kaputtmachen mit Mädchen-Überraschungseiern und Mädchen-Lego.
Wir versuchen, das Kind davor zu bewahren und so viel Neutralität wie möglich ins Kinderzimmer zu holen.
Andererseits eine Barbie hatte ich selbst damals auch. Eine von meiner Kusine, eine alte, zu Ende gespielte Puppe mit abgekauten Füßen. Ich habe ihr durchschnittlich viel Aufmerksamkeit geschenkt, glaub ich. Geschadet hat sie mir jedenfalls nicht.

Warum findet das Kind Barbies nicht doof?
Nun lebt das Dr. Schmotzen seit einiger Zeit eine ausgeprägte Pinkphase. Ähem. Das stört mich, aber ich lasse ihr das, die kommt schon noch dahinter. Ich sehe an Dr. Schmotzen, wie erfolgreich die Industrie ihre Maschine betreibt, das Kind fällt mit seinen fünf Jahren voll drauf rein. Und alle Ähnlichaltrigen auch.
Barbies sind im Kindergarten harte Währung. Dr. Schmotzen weiß genau, wer welche Plastikpuppen besitzt. An Spielzeugtagen werden die angekarrt, bei Besuchen in fremden Kinderzimmern werden sie auf große Haufen gestapelt. Es war mal ein Kind hier, das meinte, es wolle nicht noch einmal zu uns kommen, weil wir keine Barbies hätten. Sie hat das sehr anklagend an mich gerichtet, so als wolle sie das Jugendamt informieren, unter welchen kinderfeindlichen Bedingungen Dr. Schmotzen leben muss. Auch wenn ich nicht glaube, dass der fehlende Barbiefuhrpark der wirkliche Grund für die Besuchsverweigerung war, sondern vielleicht der zu große Altersunterschied, Dr. Schmotzen hat sich diesen Satz gemerkt und auch alle weiteren, die im Kindergarten so fallen.
Und dann hört sie von mir andauernd, dass ich Barbies nicht mag und ich die nicht kaufen werde, und das macht die ganze Angelegenheit nur noch interessanter, fürchte ich.
Das Kind hat mehrere nachvollziehbare Gründe, auf seinen Wunschzettel ein gelbschöpfiges Wesen mit Staksebeinen und Grinsegesicht zu malen und mich zu bitten, »Barbie« daneben zu schreiben.

Und nun?
Das Kind wird wahrscheinlich so ein Ding bekommen, am Mittwoch fahre ich in die Stadt und schaue mir die Tussen mal genauer an.
Ich glaube kaum, dass Lego, Holzklötze, Puzzle und Bauteppich fortan ignoriert werden, nur weil ein  statisches, unhandliches, nicht modifizierbares Spielzeug bei uns einzieht. Wahrscheinlich wird es 
mittelfristig auf einen bespielten Mischmasch hinauslaufen, so wie jetzt auch schon Holzpuppen, Legomännchen und Stofftiere in einer friedlichen Kommune auf der Verkehrsinsel des Straßenteppichs zusammenleben. Und am Ende kehrt bei uns allen vielleicht ein wenig Entspannung ein, mit Embargo lebt es sich ja nicht so angenehm. Dann merken wir, dass nicht im zehn Zentimeter langen Stück Plastik der Teufel wohnt, sondern in der drüberschwebenden Bedeutungswolke, die sich kaputtpieksen lässt.