Alle Artikel des Monats: April 2012

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When Philip dies

Elisabeth Kübler-Ross hat das Sterben erforscht und fünf Phasen entdeckt: Denial, Anger, Bargaining, Depression, Acceptance.
Philip Gould stirbt und weiß es und ist frei.

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Der illustrierte Tag XV

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Der Tag beginnt mit einem außerhäusigen Frühstück in professionellem Milieu. Der Kellner macht auf sich aufmerksam, als er statt eines bestellten Croissants für Dr. Schmotzen einen Toast Costa bringt. Drei Olivensandwiches und einen Haufen Salat in der Mitte. Das Kind blickt ihn entgeistert an und fragt, wo der Plunderteiganteil sei. Der Kellner sieht seinen Fehler ein und schenkt uns das ausgewogene Mahl. In der Zwischenzeit sind alle Croissants an umliegende Gäste vergeben. Ich bekomme doppeltes Frühstück, Dr. Schmotzen keins.


Wir betreten Boden anarchischer, kolonialisierter und floraliebender Menschen. Kleingartensiedlungen sind wunderbar. Campingplätze grausen mich, sobald Holz- oder Steinhäuser im Spiel sind, finde ich urlaubskonnotative Zweitwohnsitze gut.


Direkt neben der Laube wohnen Wölfe. Vielleicht habe ich diesen Sommer Lust auf einen Nervenzusammenbruch. Ich werden zuerst ins Kino gehen und dann im Kleingarten zelten. Das wird abgefahren.


Ich war wieder eine Waldarbeiterin. Im Waldboden drin habe ich einen Topf im Bauernmalereistyle gefunden. Der war voll mit verschimmeltem Schmodder, da hab ich ihn natürlich mitgenommen. Vielleicht pflanz ich was rein oder schmeiß ihn weg. Zur Not schenk ich ihn Dr. Schmotzen, die braucht sowas immer.
Bei der diesmaligen Waldarbeit gab es nur einen Motorsägenführer. Der hat gerade seine Lizenz bekommen und legte großen Wert auf die Einhaltung der Waldarbeiterhierarchie. Er hat mir direkt verboten, in letzter Sekunde vor umfallenden Bäumen wegzuspringen und dabei den Luftzug der zischenden Zweige im Gesicht zu spüren. Ich musste mich immer mindestens dreihundert Meter entfernt von der laufenden Säge aufhalten und durfte dem erlegten Holz erst dann näherkommen, wenn er militärisch »Maschinentätigkeit aus!« rief. Der trug einen Helm mit Visier und Sicherheitsschuhe.


Irre seit Tagen in Replay von Benjamin Stein umher, kann mich nicht orientieren. Wenn Du an einem schmalen hundertsiebzig-Seiten Buch einen ganzen April lang liest, ist es wahrscheinlich, dass Du handlungsmäßig nicht so viel mitbekommst. Frage mich, ob es an Replay liegt, dass ich so lange dafür brauche oder an meinem Zeitmanagement. Entscheide mich für ersteres.


Sonntagabendliches Reinigungsritual des Kindes. Erst Baden mit Haarewaschen, dann Kämmen, Maniküre und Pediküre bei einer Folge Siebenstein.


Pizzaparty mit Monsieur LeGimpsi und Dr. Schmotzen.

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Arbeiten im Wald

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Heute war ich fünf Stunden lang eine Waldarbeiterin. Ich habe Bäume getragen und auf Stapel gelegt, das hat schön geknackt und nach Harz gerochen.
Monsieur LeGimpsi war mein Kollege. Die Männer mit den Motorsägen waren die Chefs, wir die Leute mit den Händen. Wir haben da mal so richtig aufgeräumt, im Wald, und Platz gemacht.
Die Reihe alter Linden ließen wir stehen. Bald wird auf der gerodeten Fläche ein Radweg gebaut. Die radfahrenden Menschen werden zwischen dem See und einer Lindenallee entlangfahren. Sie werden nach links schauen und den Blick nicht abwenden können vom Wasser und Schwänen und Pferden und dann in den Graben fahren und von Lastkraftwagen übergesemmelt werden, so schön wirds.

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Krank mit Kind

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Am Freitagabend ging ich ins Bett und war auf der Stelle krank. Eine massive Betonschicht lag auf mir mit Kerntemperatur von minus achtzehn bis zweiundvierzig Grad. Links in meinem Kopf befanden sich zwei Saiten, die irgendjemand alle paar Sekunden überspannte und wieder freiließ.
Am Samstagmorgen fand Dr. Schmotzen ihre kranke Mutter eine halbe Minute lang interessant anzuschauen, dann war auch das Mitgefühl aufgebraucht und sie wollte frühstücken.
Wie schaffen alleinerziehende Menschen es, krank zu sein? Wie halten sie bei dreitägiger Bettlägrigkeit ihr Kind ernährt, sauber, unterhalten?
Dr. Schmotzen verbrachte zwei Nächte im Bett ihrer Oma und veranstaltete Schlafparties mit ihrer Tante, Monsieur LeGimpsi und sie räumten sehr gründlich ihr Zimmer auf, wir schauten viele Tierdokus, der Osterhase kam zwischendurch vorbei, jetzt bin ich wieder gesund.
Es war das erste Mal in Dr. Schmotzens Leben, dass ich in meiner Hauptfunktion für sie ausfiel.
Vor meiner Zeit mit Kind gondelte ich in aller Gemütlichkeit in Richtung Wohlbefinden, jetzt muss ich prozessoptimiert gesunden, grundkapitalistisch irgendwie. Das gefällt meinem reformpädagogischen Gemüt gar nicht.
Das Gute an Feiertagssiechtum ist das antizyklische Konsumverhalten: Ich fahre jetzt in den Einkaufsladen und investiere in den Osterschokoladenschlussverkauf.

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Rose

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Ich trage einen großen Strauß Rosen durch die Gegend.
Eine alte Frau spricht mich an: »Heiliger Bimbam, das sind aber schöne Blumen!«
»Ja, stimmt. Spitzenmäßige Rosen, möchten Sie mal riechen?», frage ich und halte ihr die Blumen hin.
Sie lacht und meint: »Ja gerne. So heiße ich nämlich.« »Ihr Name ist Rose?«
»Nein«, sagt die alte Frau, »ich heiße Mariechen.«