Alle Artikel des Monats: Januar 2012

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eine Stimme

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Auf der Rückfahrt von der Fabrik las in der Radiosendung Kakadu eine weiche, helle Frauenstimme eine Kindergeschichte von einem impertinenten Jungen.
Bis dahin mochte ich ihn nicht, er beleidigt meinen infantilen Gerechtigkeitssinn, meinen Wunsch nach Ordnung und Vernunft. Ich möchte ihn an seiner Schraube packen und anbrüllen: »So geht das nicht, so geht das nicht, Du bist total verdreht! Spuck sofort den Kuchen wieder aus!«
Aber diese Stimme. Wie außergewöhnlich. Exotisch sprachmelodisch, mit wunderbar weichen stimmhaften Plosiven, jung und alt zugleich, durchlässig, klug und fein irgendwie. Ich könnte ihr tagelang zuhören, ich wäre getröstet. Würde sie meinen Menstruationskalender lesen, ich würde einen führen. Sie könnte alles von mir haben, wenn sie es nur läse.
Es war die Stimme von Astrid Lindgren. Neunzehnhundertdreiundfünfzig saß sie in Studio drei des Rias Berlin und las »Karlsson vom Dach«. Eben landete diese Aufnahme in einem digitalen Einkaufswagen, den habe ich schnell zur Kasse geschoben.

(Artikelbild: youstine)

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Sushi hats gerissen

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Das Wochenende hat zenmäßig gut getan. Dr. Schmotzen plant anhand des Puzzles ihren Speiseplan und sortiert, welcher Kindergartenfreund welche Nudel isst.
Meine vierjährige Sushipause fand gestern ein Ende in Misosuppe, Seetangsalat und achtzehn Hoso- und Ura Makirollen. Wunderbares Gefühl, der Bauch voller Reismatsch, die Nase ingwerfrei und das Gemüt so schön ätherisch gedämpft. Die Gedanken schon ganz im Sommer, zeitreisend zurück in die Ära des übersprungsgehandelten Reinverliebtseins zwischen Mathestunden und Englischhausaufgaben. Eigentlich egal in wen, Hauptsache mindestens eine Klassenstufe höher.

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Gestrickt.

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Ich bin in die Großproduktion gegangen. Besinne Dich auf das, was Du kannst, dachte ich. Das sind linke und rechte Maschen.
Leider bin ich nicht in der Lage, sensitiv andere Dinge aufzunehmen, wenn ich lange Fäden in eine neue Struktur führe. Mein Blick haftet an Wolle und Nadeln und er wird auch nicht freier, wenn sich Bewegung und Vorgang tausendfach und in vollkommener Monotonie wiederholen.
Generell habe ich zur Stunde einen Bedarf an reizarmer Umwelt bei gleichzeitiger geistiger Unaufregung. Ich würde mich gern in ein Gewächshaus legen und die stündliche Temperaturveränderung protokollieren.
Ich denke, ich werde mir für dieses Wochenende ein Puzzle kaufen. Bei Isabel Bogdan passieren dazu gerade interessante Dinge. Wer weiß, vielleicht esse ich ein Brot nebenher.

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befristetes Wochenende

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Wochenende. Sehr nötig.
Was für anstrengende Tage das waren. Befristete Arbeitsverträge sind ein Instrument des Teufels. Ich gründe eine Gewerkschaft der ausgebeuteten Berufsanfänger im Dienstleistungssegment, die ihrem Arbeitgeber jeden Tag gute Ergebnisse, Flexibilität und berufliche Hingabe abliefern und von ihm befristete Arbeitsverträge bekommen. Hoch lebst Du, meine Freundin intrinsische Motivation.
Werde die nächsten Tage damit verbringen, ein sechsundzwanzigteiliges Puzzle auseinander- und wieder zusammenzubauen. Das beruhigt und der Anblick einer Dreijährigen, die wegen nicht passender Krokodilspanzerschuppen tobsüchtig wird, tröstet.

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Benjamin, Esel

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Bei dieser Titelseite kann instagram gern im Bett bleiben.
»Mein Esel Benjamin« ist ein Klassiker der pädagogisch wertvollen Kinderbücher. In meiner Kindheit fand er nicht statt. Ich kann mich an ähnliche Buchkonzepte erinnern. Schwarzweißbilder mit beschreibenden Texten. Ein Buch, das ich sehr mochte, zeigte den Schulalltag. Eine Lehrerin aß aus moralischen Gründen die Pausenbrotreste ihrer Schüler. Ein Junge erbrach sich. Ein Mädchen weinte wegen Mathe. Der Lehrer trug einen Anzug.

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Du stinkst.

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»du riechst wie stinten, maria«
Wie schön. Dr. Schmotzen hat das Stadium unverblümter Offenheit aufgrund vorsozialisiertem Wertestadium bei sprachlich defizitärem Ausdrucksvermögen erreicht.
Fragt sich, welche von beiden Variablen sich zuerst verschiebt. Sollte sie bald so sprechen, dass Menschen sie verstehen, droht Konfliktbeladenes, für das ich die gefühlte Haftung trage. Wie das de jure ist, frage ich an dieser Stelle meinen anwaltlichen und notariellen Freund.
Vielleicht steht dann nicht meine Tante mit Sympathie für Kölnisch Wasser vor uns.

(Foto: youstine)

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Zeitung

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Am Samstag liegen Postwurfsendungen im Briefkasten. Für Dr. Schmotzen ist dieser Tag, was Monsieur LeGimpsis und mein Donnerstag ist. Wochenzeitungstag.
Sie schnappt sich ihr Chefmedium und entschwindet für eine lange Weile in die Welt der Produktinformation.

(Bild: stromzufuhr)

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Pims

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Dr. Schmotzen: »wenn ich mal eine schwester betomme, dann heißt die pims, hat papa desat.«
Oma: »Pumps?«
Dr. Schmotzen: »nee, pims.«
Oma: »PMS?«
Dr. Schmotzen: »nee, pims.«
Oma: »Pims?«
Dr. Schmotzen: »ja. aber mama hat desat, das ist dann nur eine halbschwester.«

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als Legionär

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Asterix lesen und an früher denken.
In den Ferien mit seinem Generalschlüssel in die Schulbibliothek einschleichen, sich dabei aufregend verbrecherisch fühlen und jeden Tag einen neuen Band ausleihen.

(via: stromzufuhr)