Alle Artikel des Monats: Oktober 2011

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Der illustrierte Tag XII

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Der Geburtstag ist vorbei und hat Dr. Schmotzen ganz geschenkesatt gemacht.
Wenn Du bislang ein Einzelkind und dazu auch noch ein doppeltes Einzelenkelkind bist, dann kann es passieren, dass es Tage gibt, an denen ein Geschenkeamazonas über Dich hereinstürzt und Dich ratlos und weggeflutet zurücklässt.
Eine konsequentere Außenkommunikation unserer restriktiven Geschenkekultur steht also auf dem Phasenplan und muss bis Weihnachten erfolgreich implementiert sein.


Die Schnecken kriechen um die Wette, dem Adel gefällts. Dr. Schmotzen ist der Schiedsrichter und Würfelmeister und ergaunert gern kurze Diagonalen, Hauptsache die pinte schnette kann gewinnen.


Draußen ist ne Wucht. Wir kratzen das Moos vom Waldboden, bringen es an einen anderen Ort und bauen dort weiche Hügellandschaften.


Ich beginne mit dem Vorgänger von ihm und wenn ich fertig bin, werde ich für den Rest meines Lebens nur noch Einkaufszettel lesen können. Habe ich so im Gefühl.


Was ich im Strickbereich ja richtig gut kann, sind rechte und linke Maschen im reihenweisen Wechsel ohne Abnahmen, Zunahmen, Hebungen, Intarsien, Langetten, Löchern, Pompons, Rundungen, Umschläge, Zöpfe. Meistens wirds ein Schal.


Monsieur LeGimpsi liegt mit Fieber im Bett. Volle Punktzahl krank auf einer Skala von null bis eins. Was relativ spektakulär ist, da seine Körpertemperatur sich in Gradbereichen befindet, in denen die Phantastik beheimatet ist. Vielleicht mache ich Audiomitschnitte und erpresse ihn im Scheidungsfall.


Unmöglich, eine Stunde länger auf Pizza zu warten. Außerdem kommt heute Polizeiruf 110, Pizza um acht ist also fakultativ und wird vom Fernsehkonsum entkoppelt.

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»tratz mich!«

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Des Kindes Bronchien sind krank.
Es verbringt den fünften Tag in Folge im Bett und weil ich Teil der Solidargemeinschaft bin: ich auch. Kranksein bedeutet in der aktuellen Causa schlechte Laune bei vollem Bewusstsein. Wir haben auf Seiten der Patientin eine etwas lagercholerische Situation mit gelegentlich gemütlichen Einsprengseln im Falle unruhiger Schlafeinheiten und dem Sandmännchen. Meine Erziehung basiert mittlerweile hauptsächlich auf den wilhelminischen Grundsäulen Erpressung, Bestechung und Belohnung. Mein demokratisches Mutterherz erbittet ein Sabbatical, ich verschenke also eine Arbeitsfreistellungsbescheinigung gegen die Pflegeübernahme einer knapp dreijährigen Despotin.
Damit Du weißt, was Dich erwartet, hier ein repräsentativer Auszug Dr. Schmotzens Imperativsalven:
»nein!«
»ich will was trinten!«
»ich will fernsehn duten!«
»zieh mir die hose aus!«
»nicht den schal abmachen!«
»nein nein nein!«
»nicht zähneputzen!«
»mach das nicht!«
»bleib hier!«
»dut mich nicht an!«
»ich will nicht in die tindergarten!«
»ich will nicht nach draußen!«
»ich will einen durchsichtiden strohhalm!«
»ich will einen drünen strohhalm!«
»meine haare tun weh!«
»wir müssen findernädel schneiden!«
»lies willi wiberg mit dem löwen!«
»ich will willi wiberg mit der oma!«
»ich will nochmal willi wiberg mit der oma!«
»tratz mich!«
»nein, da!«
»jetzt willi wiberg mit alfons!«
»du tommst hier hin jetzt!«
»deh wed!«
»ich will nicht schlafen!«
»in meiner nase ist ein droßer popel!«
»ich will teinen deburtstad haben!«
»erzähl mir das nich!«
»mir ist heiß!«
»nimm die dette wed!«
»ich will nichts essen!«
»ich will darnichts!«

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Machense mit! Schenkense.

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Beklebe einen Schuhkarton mit buntem Papier.

Mache ein Kreuzzeichen an geeigneter Stelle.

Variiere Spielzeug, Süßigkeit, Zahnpasta und ein Bild von Dir, vernachlässige Batteriebedüftiges, Spirituelles, Automatikwaffen.

Richte die Dinge optisch ansprechend in den beklebten dreißig mal zwanzig mal zehn Zentimetern an.

Bring Dein Geschenk bis zum fünfzehnten November zu einer Abgabestelle und schick es mit sechs Euro Logistikzuschuss auf gute Reise.

Setze Dich kritisch mit dem Projekt auseinander.
Nicht nur, dass die christlich-fundamentalistische Billy Graham Association missionarische Beipackzettel in die Schuhkartons legt, auch Martin Lindner schwingt sich öffentlich auf den Barmherzigkeitsschlitten und lässt Geschenkepakete mit seinem Namen druff packen. Musst Du wissen, ob Du gemeinsame Drückerkolonnensache mit der FDP machen möchtest. Ich suche mir für nächstes Jahr etwas weniger problematisches.

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Frau Plebs und ich haben eine nostalgische Zeit auf dem Parkplatz

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Ich wuchte die Wasserkiste in den Kofferraum, schaue auf und blicke in das Mondgesicht von Frau Plebs.
In dieser Sekunde verbindet uns beide derselbe Flashback: Eine Zweitklässlerin lässt sich einen Termin bei der Rektorin ihrer Grundschule geben, um sich über konzeptionelle Schwächen im Unterricht der Sportlehrerin zu beschweren. Sie fühle sich behandelt wie eine Erstklässlerin. Die Kinder aus den Klassen zwei a und c turnen bereits an Seilen, während sie selbst wieder und wieder das zielgruppenverfehlende und freudlose Spiel »Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?« über sich ergehen lassen muss. Unsere Gedanken bewegen sich simultan weiter zu Thomas, der oft die aufgeschwemmt, hellhäutig fangende Hauptrolle in unserem tristen Unterricht besetzte und zu seinem engen Vertrauten Jähzorn. Mit ihm zusammen hat er ganz allein den rechten Arm unserer Rektorin ausgekugelt. Sein Vater trug einen blauen Anzug als er ihn abholte.
In stiller Übereinkunft verzichten Frau Plebs und ich auf einen Gruß und verbleiben jede für sich allein in unserer Erinnerung an die frühen Neunziger.

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Inventur

Früher sagte meine Mutter am Ende eines Telefonats: »Grüß mir Deinen Mann und Deine Tochter.« Und ich sagte: »Danke. Du auch.«
Dann sagte meine Mutter: »Grüß mir Deinen Mann und Deine Tochter.« Und ich sagte: »Danke. Und Du Deine Tochter.«
Jetzt sagt sie: »Grüß mir Deinen Mann und Deine Tochter.« Und ich sage: »Danke. Das mach ich.«

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mal drüber reden

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Versehrte Körper, zeremonielle Ganzheitslebenskooperationsveranstaltungen, physische ohne emotionale Zuwendung mit Therapieansatz, weihnachtliche intrakontinentale Landfluchtpläne, Kaltakquisetelefonatvorbehalte, Fernliebeparadoxien, Kommerzgeschenkeembargos, Rollenautoritätsstärkungsstrategien, Jugendzimmernostalgie, Rundfunkempfangsgerätberatungsinkompetenzen, Schrebergärtenzweitwohnsitze, Siebzehnuhrdeißiggrenzeinhaltungsproblematiken und ein indoor Hundekampf.
Bedankt für den schönen Schnack.

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Meine Tochter, die Hedonistin

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Nachdem sie auf der Herbstkirmes mit dem pinken Oldtimer, dem Feuerwehrauto und einem römischen Streitwagen gleichmütig im Kreis gefahren war, eine halbe Portion Pommes und ein Dutzend gebrannter Mandeln gegessen hatte, sagte sie: »tönnen wir jetzt wieder nach hause? tann ich was desundes essen?«

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Sie ist in ihrer Ästhetik autonom

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Bald hat Dr. Schmotzen Geburtstag und dann ist sie nicht mehr zwei. Sie zeigt eine komplizierte Choreographie mit ihrer Hand und ich merke, dass auch die Zehen sich dabei abspreizen.
Wenn ich frage »Dr. Schmotzen, was wünschst Du Dir zum Geburtstag?«, dann sagt sie »eine pinte penzessin«. Frei übersetzt bedeutet das in etwa »eine pinke Prinzessin«. Kennst Du also zufällig ein pädagogisch wertiges Holzspielzeug in Rottönen, adeliger Anmutung und mit einem BMI von mehr als 21?