Alle Artikel des Monats: Mai 2011

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Kinderturnenschwänzung

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Oder hättest Du etwa Lust, bei dreißig Grad Gartentemperatur mit einer großen Anzahl schwitziger Zwei- bis Vierjähriger in luftundurchlässiger Turnhalle auf klebrigem Boden herumzukugeln? Eben.

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Meine allumfassende Kindle-Review

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Das Ding ist seit einigen Tagen in meinem Besitz und wie es sich für ein anständiges Informatikerblog gehört, ist eine profunde Kritik unumgänglich. Der verblendete Herzschmerz der ersten Minuten ist ja stets von eher fragwürdigem Gehalt und weicht einer ausgewogen kritischer Betrachtung.
Komme ich also zu den Vorzügen und positiven Alleinstellungsmerkmalen des ersten und einzigen Gadgets meines Lebens.
In Abgrenzung schludriger Halbjuristen achte ich natürlich auf eine stringente Gliederung. Ich entscheide mich für Römisches, das erinnert mich an 100101101, ist aber eine andere Geschichte.

I)
Wenn Du Dich für ein Buch interessierst und Du stehst nicht in einer Buchhandlung, wo Du es durchblättern und den allesentscheidenden ersten Satz lesen kannst, dann hat der Kindle die ultimative Lösung für Dich: Er verteilt Leseproben wie Pafümerieangestellte Duftwässerchenmuster. In sekundenschnelle lädst Du den Textausschnitt herunter und kannst ihn in beliebiger Häufigkeit lesen. Er gehört Dir und kostet Dich nichts.
Ich habe den Speicher meines Kindles bereits zu Hälfte mit diesen niedlichen samples gefüllt, zu Kaufentscheidungen hat allerdings noch nicht eines geführt.

II)
Die Gutenberg-Bib ist wahrlich nett zu besitzen. Für lau. Du hast die freie Wahl von Aesop bis Zweig. Theoretisch.
Denn Punkt

III) läutet schon den Verriss ein:
Das Angebot deutscher Literatur ist noch viel zu bedeutungslos. Bislang werden zwar über 30.000 Werke geführt, die teilen sich aber in einundzwanzig Kategorien auf. Belletristik ist mit 14.000 am stärksten vertreten, bietet aber auch gefühlt zur Hälfte Kostbarkeiten wie „Eine unzüchtige Lady“ oder „Purpurfalter. Der erotische Vampir-Roman“ an. Bislang scheint also nur die schmutzige Spitze des amazon-Eisbergs digitalisiert. Solange sich das nicht ändert, ist Print alternativlos.

IV)
Kannst Du Dir vorstellen, was es mit Dr. Schmotzen machte, als sie an Heiligabend ihren Weihnachtsteller sah? Zwei Minuten hielt die Schockstarre an, bevor sie sich zu einer tiefen Unentschließbarkeit entwickelte. Was esse ich bloß zuerst?
Was lese ich bloß zuerst? Wie begleiche ich die Opportunitätskosten meiner Entscheidung? Wenn ich Winnetou I-IV lese, habe ich keine Zeit für Die Schatzinsel. Wenn ich mich durch alle Leseproben arbeite, wann soll ich dann den Volltext lesen? Diese paradoxe, kontingente Wahlmöglichkeit verursacht bei mir Stress. Und der beeinträchtigt meine Konzentration auf ein Buch.
Wenn ich eine Printausgabe lese, habe ich diese allein in meinen Händen und ich bin ganz bei ihr. Der Kindle bietet mir über 750.000 Werke und sie alle rufen nimm mich! Und ich renne von einem zum anderen und bleibe bei keinem.

V)
Vielleicht liegt es daran, dass mein technisches Verständnis unter der Grasnarbe liegt und mein Interesse an diesen Dingen sich dem Erdkern nähert. Aber: Ich habe immer noch nicht herausgefunden, wie ich den Akku auflade. Ich habe den bestürzenden Verdacht, dass ich eigens für diesen Zweck in ein Kabel investieren muss. Das fände ich eine Unverschämtheit von Herrn amazon. Genauso, wie von Herrn Ikea, der plötzlich alle Schrauben in seiner Garage zurückhält. Frauen kämen niemals auf solche Ideen.
Da die vielgepriesene Akkulaufzeit ja einen Monat hält, bin ich jetzt noch ganz entspannt. Reden wir Mitte Juni nochmal darüber. Monsieur LeGimpsi schäbigerweise, in Neid und Missgunst, weigert sich, mir die Antwort zu verraten.

VI)
Der Kindle ist bereits zweimal abgestürzt und ließ sich nur durch verschiedene ergotherapeutische Anwendungen aus dem komatösen Zustand herausführen. Das nervt und macht mich den Garantieschein suchen. Ist das so? Sind Kindles Pussies?

Jetzt folgt der konklusive nutshell-Part:
Ja, mein nettes Kindle, wird schon noch mit dem Angebot an Büchern, in Quantität und Qualität. Ich kann mir vorstellen, dass wir uns schlussendlich auf einen Leseprobenservice einigen. Du lieferst mir digitale Auszüge und ich kaufe sie in Print.
Und sollte ich zum Strand fahre, irgendwann, dann freue ich mich, dass es Dich gibt und ich an meinem verlängerten Wochenende dank Dir achthundert Gramm weniger Gepäck zu schleppen habe.
Dr. Schmotzen übrigens mag den Reader sehr. Meine einzige Investition bislang galt Andersens Märchen für einen Euro zweiundsechzig. Abends im Bett lesen wir nun vom Kaiser und seinen neuen Kleidern und ich kann mühelos beides im Arm halten: meine Tochter und ein komplettes Märchenbuch.

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ihre Stille

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Ganz still war es um sie herum. Dieser Frieden, der alles in sich vereint, die Geräusche zu Filzbällen dämpft, der wie Brennglas zentriert, geschützt in immergleicher Bewegung, den Herzschlag als Rhythmus.
Und so durchlässig ihr erster Blick als ich dann merkte, dass sie meinen Wollpullover mit der Hornhautfeile kämmte.

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Was ich nicht kann

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Ich bin nicht in der Lage, ein normales Auto in einem Raum, groß genug für vier Fahrzeuge, so zu parken, dass noch ein zweites darin Platz hat.
Ich übe das seit einem Jahr jeden Tag und bin mir langsam sicher: Ich werde meinen Nachbarn wohl eine eigene Garage bauen müssen.

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linker Fuß, rechter Schuh

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Jeden Morgen fährt Dr. Schmotzen zu ihren Großeltern, jeden Morgen freut sie sich sehr darauf, jeden Morgen zieht Monsieur LeGimpsi diesen verschlafenen, trägen Klumpen an. Und wie er das macht.
Abends, wenn ich die Tochter dann entkleide, müde und erschöpft von Spielplatz, Leiterkletterei und Bachwanderung, entblättere ich schichtweise wundersame Garderobendisaster in unterhaltsamer Form.
Hier eine Auflistung der häufigsten Vorkommnisse mit Prozentangaben für den Monat Mai. Der geübte Statistiker stelle sich dazu ein Tortendiagramm vor:

  • 30 % der Pullover ist auf links
  • 19 % die Unterhose fehlt
  • 15 % vertauschte Reihenfolge von T-Shirt und Pullover
  • 12 % die Socken passen nicht zu einander
  • 7,5 % alles ist in die Unterhose gequetscht
  • 7 % die Strumpfhose ist falsch herum angezogen
  • 5 %  linker Fuß, rechter Schuh, rechter Fuß, linker Schuh
  • 4 % Knöpfe und Löcher irren aneinander vorbei
  • 0,5 % die unterste Kleidungsschicht ist seit 24 Stunden der Schlafanzug
Bildschirmfoto 2011-12-19 um 00.28.50
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Dr. Schmotzen als Joker

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Längst vergangen ist die Zeit, drei bis vier Relaunches her, dass Monsieur LeGimpsi und ich gemeinsam die stromzufuhr betrieben. Natürlich durfte Dr. Schmotzen nicht fehlen, sie hatte Interesse an einem unbezahlten Praktikum und bewarb sich mit lückenlosem Lebenslauf und überzeugendem Video. Damals hatte sie gerade ihre schurkische Phase, Du wirst sicherlich sehen, das Nachtleben in Gotham City hat deutliche Spuren bei ihr hinterlassen.
Schon kurz nach ihrem ersten Arbeitstag brach die stromzufuhr aus ungeklärten Gründen zusammen und sollte nie wieder zu alter Gestalt zurückfinden.
Exklusiv aus den Archiven unserer Personalabteilung:

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Bananengruppe

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Ab Anfang September hat Dr. Schmotzen einen neuen Job. Sie geht dann zweimal in der Woche vormittags in meine alte Grundschule und spielt dort mit ihresgleichen und zwar ohne Oma oder mich. Das schafft Sympathien für den Kindergarten nächstes Jahr und ist eine prima Kontaktbörse für Freunde aller Art.
Allein mit dem Namen kann sie sich nicht so recht anfreunden. Sie wird in die Apfelgruppe gehen und hätte doch viel lieber eine Nudel-, Vanilleeis- oder zumindest eine Bananengruppe.

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oooh nein, ein totodil! wie schaade.

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Dr. Schmotzen sieht Dinge. Vorzugsweise Krokodile oder Regenwürmer. Mitunter erstarrt sie und bewegt sich keinen Zentimeter fort, denn vor ihr auf dem Boden sitzt ein Reptil und versperrt ihr den Weg.
oooh nein, totodil auf den boden, wie schaade. mama hoch, arm!
Oder es liegen Regenwürmer im Bett, in dem sie ihren Mittagsschlaf machen soll.
oooh nein, redenwurmen in bett, so viele, wie schaade. bissi warten noch.
Manchmal glaube ich, die Tiere ergaunern meiner Tochter eine billige Mitfahrgelegenheit und ein paar wache Minütchen.
Imaginäres kenne ich natürlich auch sehr gut. Meine Kindheit verbrachte ich mit der gesamten Belegschaft der Schwarzwaldklinik, die zu jeder Tageszeit auf unserem Sofa saß und mir in allen Lebenslagen gute Tipps gab, während mein Bruder mit Olaf, Herrn Flaschendeckel und Herrn Messerundgabel einen florierenden Holzverwertungsbetrieb hinter der Garage leitete und meine Schwester mit der tausendschönen Lujia abhing.