Alle Artikel des Monats: Februar 2011

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Über die nebulöse Rückkehr meines Bio-Puppenhauses

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Auf nebulösen Wegen ist heute mein altes Bio-Puppenhaus zu mir zurückgekehrt und ich habe es umgehend an Dr. Schmotzen weitergeleitet.
Als ich ein Kind und meine Mutter im Ökovollrausch war, ließ sie bei einem Bio-Schreiner ein Bio-Puppenhaus aus Bio-Holz anfertigen. Sie scheute weder Kosten (300 Mark) noch Mühen (100 km Entfernung), um die Krönung des ganzheitlichen, handschmeichlerischen, formintelligenten Spielzeugs in meinem Zimmer Einzug erhalten zu lassen. Da stand es fortan, hielt Scheidung mit suizidalen Folgen der hausenden Puppenfamilie stand und begegnete den Eddingangriffen meines kleinen Bruders mit tapferem Stoizismus. Eines Tages, da hatte es schon geraume Zeit im Kartoffelkeller gelagert, ersetzt durch einen fortwährend dehydrierten Hamster, war das Bio-Puppenhaus verschwunden. Mein Vater hatte es seinem Kollegen mitgegeben, denn der war im Besitz eines neuen Kamins. So unlackiert und schadstoffarm käme doch ein erstklassiges Bio-Feuerchen zustande. Meine Mutter weinte ob dieser respekt- und gedankenlosen Entscheidung sehr lange und kochte zu meines Vaters seelischem und körperlichem Schaden über mehrere Wochen hinweg ausschließlich Nudeln. Vollkorn natürlich.
Nun ja, wie sich jetzt herausstellte, litt besagter Kollege keineswegs unter Brennstoffknappheit sondern gewährte dem Bio-Puppenhaus all die Jahre über freundlich Obdach. Und das bei zwei Söhnen. Auf gleichsam undurchsichtige Weise sind auch sämtliche flächendeckenden permanent-Stift-Spuren verschwunden.
Es gibt sie, die Zeichen und Wunder und es würde mich nicht überraschen, wenn der Osterhase dieses Jahr emigrierte Bio-Puppenhausmieter in seinem Portfolio hat.

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Der illustrierte Tag II

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Der Tag beginnt mit Klassik. Müller-Siemens, Mozart, Bruckner. Ich mag es sehr, vormittags ins Konzert zu gehen. Die Musik begleitet mich für den Rest des Tages, sie lässt schweben, diesen einen Zentimeter.


Wir besuchen die Pferde und überprüfen, ob sie noch immer in ihren Pullovern stecken. Positiv.


Die Weidenkätzchen beweisen: Wir wohnen jetzt schon ein Jahr auf dem Land. Das ging schnell. Landleben vs. Stadtleben? Die Statistik zeigt eine ausgeglichene Bilanz. Ich freue mich sehr auf einen nackten Sommer im Garten, auf Streunen durch wogende Felder, auf Kornblumensträuße und Bratwürstchengrillen. Und vermisse zugleich studentisches Leben und urbane Kultur in der Stadt.


Dieser See. Direkt vor der Tür und viel zu einsam. Nur rastende LKW-Fahrer und Angler und niemand passt auf Leib und Leben auf. Mit weniger als zwei großen, unkastrierten Hunden oder Monsieur LeGimpsi besuche ich ihn nicht.


Ich komme unter der Woche nicht nur nicht zum Putzen sondern auch nicht zum Klavierspielen. Das erledige ich am Wochenende. Dr. Schmotzen hat diese Freundschaft akzeptiert und lebt in friedlicher Koexistenz.


Murmeln sind ständiger Begleiter und machen die Hände komisch riechen.


Pizza und Tatort sind am Sonntag obligatorisch und untrennbar und verbreiten wohlige Wochenendzeitstimmung.

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Büro, Büro

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Seit vier Wochen arbeite ich. In dieser Zeit habe ich genau fünfmal meinen Schreibtisch gewechselt. Heute zum letzten Mal, man hat mir versichert, der jetzige Platz sei die finale Destination.
Anfangs befand ich mich auf einer einsamen Scholle im Neubau, weitab des bevölkerten Areals. Ich hatte 26 leere Schreibtische und ebenso viele nagelneue Bürostühle, drei große Kopiermaschinen, eine Kaffeeküche und zwei WCs für mich allein. Die Herrentoilette habe ich aber nie benutzt. Mein Arbeitsplatz war begehrter Ausrichtungsort sämtlicher Meetings.
Dann wurden logistische Pläne umgesetzt und man siedelte mich aus meinem gottverlassenen Großraumbüro in ein überfülltes um. Dort wurde ich ein wenig hin und her geschubst, wie ein Schiebepuzzle zog ich vor und zurück und landete in der letzen Woche schließlich auf einem Peggy-Olson-Platz direkt vor dem Büro des Geschäftsführers. Was interessante Phänomene im Bereich Stressabbaustrategien offenbarte. Leute, die einen Termin beim Chef haben, trommeln gern im Vorübergehen selbstvergessen mit ihren Fingerkuppen gegen harte Gegenstände. Es landeten Salven perkussiver Energien auf meinem Schreibtisch. Wahrscheinlich soll die rhythmische Einlage motivierend wirken und für den Kampf rüsten. Mich, die ich in den letzten Tagen geistig mit Excel verschmolz, erschreckte jedes einzelne Mal sehr.
Zukünftig jedenfalls werde ich an einem Konglomerat kunstvoll drapierter Tische sitzen, das von oben betrachtet dem Umriss von Kroatien ähnelt.
Ja, ich habe viel gesehen von der Welt.

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Hundert Finger

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Sehr still war es in ihrem Zimmer. Ganz leise und friedlich. Gesummt hat sie und manchmal geächzt. Von Zeit zu Zeit hörte ich ein dumpfes Geräusch, als würden Säcke verladen. Sie antwortete nicht auf meine Rufe. Nichtmal eine Gewürzgurke wollte sie sich holen.
Als ich schließlich ihren Raum betrat, stand Dr. Schmotzen rotwangig und zufrieden auf einem Gebirge herausgerissener und auseinandergeworfener Kleidung, streckte ihre Werkzeughände nach oben und sagte: hundat finga!

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Heute

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einem heuchlerischen, populistischen, doppelmoralischen, unglaubwürdigen Bundesverteidigungsminister bei der Selbstdemontage zugeschaut. So arm.
Und diese Regierung. Wie kann sie ernsthaft festhalten?

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Dysfunktionale Wetter/Kleidungskoordination

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Möglicherweise war es nicht die beste Idee, am Sonntag kurzärmelig bei minus fünf Grad spazieren zu gehen.
Seit ich nicht mehr bei meinen Eltern wohne, habe ich Probleme, die Wetterbedingungen richtig einzuschätzen und daraus Entscheidungen der Kleidungswahl abzuleiten. Früher hab ich immer Papa gefragt, wie das Wetter ist. Jeden Tag, manchmal mehrfach. Er gab mir dann stets einen korrekten Abriss der aktuellen klimatischen Bedingungen und fügte kleidungstechnische Handlungsempfehlungen zu. Anschließend folgte noch eine Prognose der kurzfristigen zukünftigen meteorologischen Entwicklung. Er betreut schließlich eine von Herrn Kachelmann geeichte Wetterstation, Papa weiß immer wie das Wetter ist.
– Papa, wie ist das Wetter draußen?
– fzerozero, heute ist es kalt und wenn Du aus dem Fenster schaust, erkennst Du, dass es regnet. Ich rate Dir, zieh Dich warm an. Und nimm einen Regenschirm mit. Hinter der Sporthalle siehst Du eine dunkle Front, die kommt direkt auf uns zu.
– Also sollte ich besser nicht in Unterwäsche raus gehen?
– Das musst Du wissen. Empfehlen kann ich es Dir allerdings nicht.
Darauf kann ich nicht verzichten, das fehlt mir, ich weiß nie, wie das Wetter ist. Ich bin ohne Wetterexperten ein konfuses Hühnchen. Ich laufe im Februar bei minus fünf Grad draußen ohne Ärmel rum. Danach werde ich krank.

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Der illustrierte Tag I

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Oder: Wieviel Essen passt eigentlich in mich rein?

Der Tag beginnt mit der Präsentepräsentation für Monsieur LeGimpsi. Dr. Schmotzen schenkt wie angekündigt einen Weihnachtsbaum, von mir gibts Opernkarten und eine CD von Berlioz. Ich denke, die Opernkarten sind siegreich.


Es folgt die rituelle Geburtstagskuchenverköstigung. Da es sich um ein gehaltvolles Schokoladendings handelt, wird nur kurz probiert und vertrauensvoll an eine größere Menschengruppe weitergeleitet, die ihn wahrscheinlich übers Jahr verteilt.


Abendliche kulinarische Deliziösitäten verlangen eine raue Menge Eiscreme.


Dr. Schmotzen und ich treffen uns mit zwei Mädchen zum vormittäglichen Frühstück. Dr. Schmotzen entdeckt „bebituchi“ und hat eine gute Zeit mit Minimuffins.


Ich koffeinloser Mensch trinke Milchkaffee und bereite mich auf eine schlaflose Nacht vor.


Ein Tierpark versetzt Dr. Schmotzen in Staunen und festigt ihre Freundschaft zu angeleinten Hunden.


Pizza und Tatort sind eine geeignete Methode, die vergangene Woche zu würdigen und die kommende gnädig zu stimmen.