zusammenpacken ohne zusammenklappen
Die letzten drei Wochen haben sich angefühlt wie eine einsame Insel und ich bin nicht bereit, mich in meine Bananenkiste zu setzen und von ihr weg zu paddeln.
An meinem vorletzten Arbeitstag Anfang August war ich allein im Kino. Das ist spontan passiert und gehört mit zu den schönsten Abenden der letzten Zeit. Ich weiß noch, wie ich auf dem Nachhauseweg dachte, hier in diesem Augenblick errichte ich mein Urlaubszelt, das ist die erste Stange, die alles in die Höhe bringt. Und ich dachte, ich werde am Ende des Urlaubs, die ganzen Planen zusammenfalten und Heringe aus dem Boden holen und Gestänge auseinander ziehen, ungläubig zurückschauen und denken, von dem Moment bis jetzt, das kann doch unmöglich schon vorbei sein. Das war doch nur ein Wimpernschlag, das war doch nur ein Schluckauf, das war doch nicht mehr als eine Teelichtlänge.
Das Ende des Urlaubs ist da und ich baue mein Zelt ab und habe all diese Gedanken und fühle mich wie eine, die nicht mehr weiß, wie das mit dem Alltag und dem Leben eigentlich noch mal so geht.

Denn in den letzten Wochen habe ich bis auf die Kinder und den Mann kaum eine Menschenseele gesehen und gesprochen. Zuerst waren wir ungewöhnlich viele Autostunden weg an einem Ort, an dem sonst kaum jemand gewesen ist. Nur Wasser und Strand und Steine und Muscheln und ein großer Garten und wir. Und die Sonne. Wir hatten viel Glück.
Und dann wieder zu Hause hat mein Rücken gemeint, durch ihn solle der Blitz fahren und er würde sich gern mal übertrieben lang übertrieben gründlich anspannen, wie das wohl wäre jetzt mit der ganzen freien Zeit. Und so habe ich mein Leben plötzlich mit einem sehr nach innen gerichteten Blick verbracht und mich zunächst viel auf anstehende Bewegungsabläufe und ihre Bewältigung fokussiert (umdrehen, gehen, aufrichten) und mir einen unterstützenden Tagesablauf gebaut (Wärmflaschenachbefüllungsproduktion, auf dem Bauch liegen, auf den Rücken drehen, leichte Übungen machen wie die Füße vom Körper weg schieben, ein paar Schritte über den Flur, Badewanne ausprobieren, etwas Kleines kochen, denn Mikrobewegungen der Hände tun gut, lesen, lesen, lesen, wie gut ist nochmal lesen, stricken, schlafen und so weiter, wer könnte mir mal die Hose hochziehen?), der mir doch recht schnell gut gefiel. Ich habs nicht geschafft, als der Rücken besser wurde, diese köstliche externe Impulslosigkeit zu überwinden. Monsieur LeGimpsi und ich haben weiterhin gelebt wie nach einer Nuklearkatastrophe (außer, dass zwei Mal am Tag eine kurze Runde durch den Park auf wundersame Weise strahlenfrei möglich war), wie zwei zufriedene ältere Igel am Rande des Ackers in einer Geschichte von Janosch.
Und jetzt kommt der Hase und sagt, die echte Welt geht wieder los, lauf Igel, lauf! Und leider komm ich wieder allein in meine Schuhe rein, ich habs schon probiert.
Es stehen bald schöne Dinge an, auf die will ich mich freuen: Das große Kind wird 18, zwei Konzerte, der Herbst.








